Missbrauch in der Kirche: Zwei Opfer erzählen, wie sie damit Leben

Gepostet von: Bayerischer Rundfunk

Hochgeladen am 29.10.2018

Nach der Veröffentlichung der Missbrauchsstudie der Deutschen Bischofskonferenz meldeten sich im Erzbistum Bamberg Opfer, die in den 1970er-Jahren von einem Priester missbraucht worden sein sollen. Einer von ihnen ist heute selbst Geistlicher.

Bamberg in den 1970er Jahren: Ein katholischer Jugendverband und ein Priester, der als offen und modern gilt. Er legt viel Wert auf Sport und ein enges Verhältnis zu den Jugendlichen, die jeden Freitagabend zu den Treffen kommen. So wie Thomas (Name geändert), der sich an das gemeinsame Duschen nach dem Sport erinnert.

Thomas ist heute fast 60 Jahre alt. Er hat all das lange verdrängt, aber nicht vergessen. Als die katholische Kirche 2008 in Bamberg und 2010 in ganz Deutschland von dem Missbrauchsskandal erschüttert wurde, kommt die Erinnerung wieder. "Ich habe mit dem Missbrauchsbeauftragten Kontakt aufgenommen", erzählt Thomas. "Der hat mich gleich zur Staatsanwaltschaft geschickt und gesagt: Das hat zwar keine Chance mehr, dass das zu einer Verhandlung kommt, aber es ist wichtig, dass das zu den Akten kommt und protokolliert wird." Die Tat war bereits verjährt, außerdem war der Priester inzwischen verstorben.

Missbrauchsstudie reißt alte Wunden auf

Nach der Veröffentlichung der Missbrauchsstudie vor einem Monat melden sich wieder Betroffene aus der alten Jugendgruppe. In geschlossenen Facebook-Gruppen wird der Fall diskutiert. Das Erzbistum Bamberg hat vor zwei Wochen mögliche Opfer aufgefordert, sich zu melden. "Wir wollen Aufklärung. Wir wollen, dass alle Fälle schonungslos offengelegt werden", sagt Bistumssprecher Harry Luck. Das Bistum sei gesprächsbereit.

400 bis 500 mögliche Opfer

Thomas schätzt im Interview mit dem BR Magazin "Stationen" die Zahl der möglichen Opfer auf 400 bis 500 Personen. Doch längst nicht alle wollen darüber sprechen. "Vor acht Jahren habe ich Bekannte gebeten, mich zu unterstützen, auch Anzeige zu erstatten", sagt Thomas. "Lasst die Toten ruhen", sei oft die Antwort gewesen. "Da sind auch Freundschaften zerbrochen, an dieser Nicht-Unterstützung."

Thomas will keine Ruhe geben. Das mag auch an seinem Beruf liegen. Er ist selbst Priester geworden und als solcher vertritt er eine Institution, die Missbrauchstäter in der Vergangenheit immer wieder geschützt und sich zu wenig um die Opfer gekümmert hat. Der Präses des Jugendverbandes starb Mitte der 2000er Jahre als angesehene Persönlichkeit. Er habe hunderte von Jugendlichen in ihrem Entwicklungsprozess gefördert, heißt es im Nachruf. Und er habe sie ermutigt, nicht zu schweigen.

Nach der Missbrauchsstudie der Deutschen Bischofskonferenz meldeten sich im Erzbistum Bamberg Opfer, die in den 1970er-Jahren von einem Priester missbraucht worden sein sollen. Einer von ihnen ist heute selbst Geistlicher.

Quelle: www.youtube.com