Evolutionärer Humanismus

Der Begriff des evolutionären Humanismus bezeichnet eine neuere, naturalistisch geprägte Strömung innerhalb der humanistischen Weltanschauungen, die den Menschen als Teil eines umfassenden Evolutionsprozesses sieht. Sie wird historisch zurückgeführt auf Julian Huxley, den ersten Generaldirektor der UNESCO, der dieser Strömung ihren Namen gab und der sich für eine „wissenschaftliche Religion“ ohne Gott und ohne Offenbarung aussprach, in welcher Evolution ein universeller und alles durchdringender Prozess sei.

Für Huxley hat die Wissenschaft zum ersten Mal die Position erreicht, um im Rahmen einer allgemeinen Theorie der Evolution nicht nur die biologische Evolution, sondern auch anorganische Entwicklungen wie die Sternenentwicklung auf der einen Seite, als auch menschliche und soziale Entwicklungen auf der anderen Seite zu erklären. Den Menschen sah Huxley dabei als das höchste Produkt der Evolution und zudem fähig, die Evolution zu kontrollieren und, beispielsweise durch Gentechnik am Menschen, voranzutreiben.

Lehre

Wesentliche Merkmale des evolutionären Humanismus sind nach Ansicht ihrer heutigen Vertreter eine kritisch-naturalistische Weltanschauung, Säkularismus und eine vernunftbasierte allgemeine Ethik in Abgrenzung zur traditionellen, religiös geprägten Moral.[3][4] Diese Ethik wendet sich gegen die Postulierung von unumstößlichen Dogmen und sieht auch moralisches Handeln in einem evolutionären Prozess begriffen, der sich neuen Erkenntnisgewinnen und veränderten sozialen Begebenheiten anpassen können muss. Darüber hinaus grenzt sich der evolutionäre Humanismus von speziesistischen und sozialdarwinistischen Weltbildern ab, welche den Interessen von verschiedenen Spezies oder Individuen prinzipiell ein unterschiedliches Gewicht einräumen möchten.

Rezeption in Mitteleuropa

Im deutschsprachigen Raum ist der Begriff des evolutionären Humanismus eng verbunden mit der Giordano-Bruno-Stiftung, welche sich als Denkfabrik dieser Strömung sieht. Im Auftrag der Stiftung unternahm Stiftungssprecher Michael Schmidt-Salomon mit dem Manifest des evolutionären Humanismus einen erneuten Versuch einer Zusammenfassung von Standpunkten aus Perspektive des evolutionären Humanismus. Dieser Schrift nach unterscheidet sich der evolutionäre Humanismus „von seinen traditionellen Vorgängern darin, dass er die zahlreichen neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse (inklusive der damit verbundenen fundamentalen Kränkungen) produktiv verarbeitet und somit von einem grundsätzlich revidierten Menschen- und Weltbild ausgeht“.

In Berlin wurde 2014 die Partei der Humanisten gegründet, die in ihrem "Leitbild" das Konzept des evolutionären Humanismus verankert hat.

2011 wurde in Kroatien der Centar za gradansku hrabrost (Zentrum für Civilcourage) gegründet, der das Konzept des evolutionären Humanismus von der Giordano-Bruno-Stiftung übernahm.

(Auszüge aus Wikipedia)

Quelle: www.wikipedia.de