Gestern bin ich gestorben

Gestern bin ich gestorben. Alles nach Vorschrift. Ich wurde still, ich kühlte aus und meine Seele verließ den Körper. Sie bewegte sich voller Hoffnung in Richtung Himmel.

An der Himmelstür stoppte mich der Engel Gabriel. Es war seine Schicht, weil der heilige Petrus den Jahresurlaub genommen hatte.

"Junge, warum hast du es so eilig?", fragte mich der Engel Gabriel. "Lass zuerst mal deine Papiere sehen."

"Äh, die habe ich unten vergessen", antwortete ich.

Ich merkte, dass auch hier oben Bürokratie herrscht. Ich bot ihm an, zurückzukehren, um die Papiere zu holen. Aber er erwiderte mir, dass eine Rückkehr nicht in Frage käme. Von oben sei noch niemand zurückgekehrt. Nur der Boss würde eines Tages mit einem Sonderauftrag zurückkehren. Er müsste dann da unten Ordnung schaffen.

"Ich schaue mal in unseren Rechner, in unsere Datenbank. Wie ist dein Name, Vorname, Geburtsdatum...“, fragte mich Engel Gabriel.

Ich habe mich geirrt, als ich dachte, dass die da oben über mich automatisch alles wissen würden.
Gabriel schaltete den Computer an und ich erkannte den alten, guten IBM-360. Auf so einem habe ich in meinen jungen Jahren programmiert. Es wäre schon an der Zeit, dass sie sich hier einen neues, moderneres Teil anschaffen oder selbst einen bauen. Die haben bereits Steve Jobs in ihren Reihen, wenn sie ihn nicht wegen verfehlter Migrationspolitik in die Hölle geschickt haben. Dann geschieht es ihnen recht.

"Ich kann dich nicht unter den Kandidaten für den Himmel finden. Ich rufe gleich in der Hölle an", sagte Gabriel und zog sein Handy aus der Tasche, das neueste Samsung. Na ja, hier sind die wenigstens up to date.

"Schaut mal, ob ihr einen Neuankömmling bei euch führt. Ich schicke dir gleich seine Daten per E-Mail. Es eilt! Der Typ hat keine Papiere...", konnte ich gerade hören, wie Gabriel mit dem zuständigen Teufel in der Empfangsabteilung sprach.

Ich dachte, dass Gabriel jetzt mit small talk, die Pause zu überbrücken versuchen würde, bis er die Informationen aus der Hölle bekommt, aber es kam nichts von ihm. Er hat mich nicht mal angeschaut. Das hat mich sofort, an unser Konsulat erinnert.

"Aus der Hölle haben sie mir gerade mitgeteilt, dass sie schon lange auf dich warten. Hier ist der Einweisungszettel und melde dich an der Rezeption. Sie haben deinen Empfang schon vorbereitet. Der Kessel ist schon angeheizt und hat schon die erforderliche Temperatur...", ermutigte mich Gabriel.

Vor Schrecken wachte ich auf, sprang aus dem Bett und suchte meine Brieftasche, um meine Papiere zu überprüfen …

Aus der Sammlung "Der Ketzer scherzt"