Wolfi wird gerettet

Mark erinnert sich:

Mein Vater war Jäger. Er hat mich immer wieder zur Jagd mitgenommen. Einmal haben wir einen Wolf gesehen und mein Vater hat ihn abgeschossen, was damals noch erlaubt war. Als wir näher kamen, sahen wir das Tier in seinem Blut liegen. Plötzlich kam aus dem Busch ein kleiner Wolfswelpe. Der Wolf war also eine Wölfin und das war ihr Baby.

 

„Wir haben seine Mutter getötet, jetzt müssen wir mindestens ihr Kind retten", sagte ich zum Vater. Vater hatte nichts dagegen und ich nahm den kleinen Wolf mit nach Hause. Ich gab ihm direkt den Namen Wolfi.

Wolfi wurde mein Freund und er schlief neben meinem Bett.

 

Mit der Zeit wurde Wolfi immer größer und größer und eines Tages sagte mein Vater zu mir: „Dein Wolfi ist jetzt so groß geworden, dass wir ihn zurück in den Wald bringen müssen. Er ist ein Wolf und er muss im Wald im Freien leben.“

Selbstverständlich habe ich das zunächst abgelehnt, aber mit der Zeit habe ich das auch selbst eingesehen. Er würde sich nur mit seinen Artgenossen richtig wohl fühlen.

Eines traurigen Morgens haben wir Wolfi in den Wald gebracht. Wolfi wurde unruhig, als ob er etwas ahnte. Ich habe ihn auf einem Waldpfad ausgesetzt.

 

Wir standen zwei Minuten nur so da und sahen uns an. Die Tränen suchten ihren Weg. Dann habe ich mich umgedreht und ging schnell zurück zu Vaters Auto.

Als ich im Auto saß, drehte ich mich noch einmal um und blickte zurück. Wolfi ging langsam den Weg bergauf.

Am Berg drehte er sich noch einmal in meine Richtung, warf mir noch einen langen, traurigen Blick zu, jaulte kurz und verschwand danach ganz hinter dem Berg.

 

Als ich nach Hause kam, verkroch ich mich traurig direkt in mein Bett. Dann plötzlich erschien mir Jesus.

„Lieber Mark, du hast eine gute Tat vollbracht. Du hast Wolfi gerettet und du wirst dafür belohnt. Eines Tages kommst du in den Himmel. Was aber deinen Vater betrifft, da bin ich mir noch nicht sicher“, sprach Jesus zu Mark.

„Dafür danke ich dir Jesus, aber dass du daran denkst, meinen Vater zu bestrafen, finde ich nicht in Ordnung. Du hättest das verhindern können und die Wölfin von dem Gewehr retten können und jetzt willst du meinen Vater bestrafen“, antwortete Mark.

„Na, ja! Es stimmt. Ich habe gepennt, da habe ich gerade nicht aufgepasst. Aber, dein Vater muss bestraft werden. So steht es in der Bibel...“.

Schöne Geschichte?

Jaaaa!

Opa, erzähl' mir noch eine witzige Geschichte!