Die Arbeitsaufteilung

Manchmal frage ich mich, was ich für ein Idiot bin.

Immer, wenn ihr Menschen Probleme habt, betet ihr: „Lieber Gott, hilf mir. O, mein lieber Gott hilf mir“. Gott, Gott – und wer muss ran? Ich! Ich Jesus, ich bin doch für die Rettung der Menschheit zuständig; für die Rettung und für jede Menge kleine und große Wunder.

Und mein Papa ist für die großen Sachen zuständig. Für die Schöpfung, für die Bestrafung, Sintflut und Ähnliches. Seine Spezialität sind die Kriege. Kleine und große Kriege. Ihn interessieren nur noch Kriege. So kennt ihr ihn schon aus dem Alten Testament. Diesmal hat er sich verzettelt und ich würde sogar sagen übernommen. Er weiß nicht so recht wie er mit Syrien und Irak klarkommen soll. Es scheint mir, er weiß nicht mal mehr, wer sein auserwähltes Volk ist.

Manchmal beklagt er sich, dass die Menschen ihn bei diesen Kriegen nicht mehr brauchen. Sie machen die Kriege noch schlimmer, als er es sich selbst ausdenken könnte.

 
Und der Heilige Geist, der seit den Besuch bei meiner Mutter, keine bedeutenden Sachen mehr tut. Meistens schlendert er gelangweilt durch den Garten Eden und frisst die Äpfel, die Adam übriggelassen hat. Da er chronisch unterbeschäftigt ist, würde es ihm gut tun, wenn ihr ihn in euren Gebeten mehr beanspruchen würdet.

Manchmal fühle ich mich wie ein Patchworkkind. Mein gesetzlicher Vater blieb auf der Erde. Damals war er gut genug mich aufzuziehen, aber hier oben im Himmel sind nur meine Mutter und ich eingezogen, obwohl man ihn ganz gut als Gärtner beschäftigen könnte.

Eine knifflige Aufgabe, Beschenken der Kinder zu Weihnachten, haben wir zum Glück outgesourct. Jetzt muss der Weihnachtsmann mit der Hülle und Fülle von Paketen klarkommen. Da er selbst mit seiner alten Karre und in die Jahre gekommenen Hirsche die Aufgabe nicht bewältigen kann, muss er auf die Dienste von DHL, UPS, Hermes und andere Zustelldienste zugreifen.

Zu Ostern engagieren wir für das Färben von Eiern ein paar Arbeitskolonnen von Hasen. Sie bewältigen ihre Aufgaben schnell und vor allem bunt. Da die Kinder auf die bunten Eier sehr wild sind, müssen die Osterhasen viele Überstunden leisten.

PR und Marketing hat sich meine Mama zu eigen gemacht. In den letzten Jahren hat sie sich intensiv dem Erscheinen gewidmet. Bei ihren Aufgaben hat Sie besonders Gefallen an einem Ort in Bosnien und Herzegowina namens Medjugorje gefunden. Da hat sie sogar nette Freundschaften geschlossen. Hoffentlich bleibt sie nicht mal für immer unten.

Die Küche hat Mama an Maria Magdalena abgegeben. Sie war zur Ausbildung bei McDonald. Jetzt schmeckt das Essen hier endlich gut. Die Himmelstore schließt nach wie vor der Heilige Peter. Bis jetzt hat er keinen Schlüssel verloren. Wir brauchten bis jetzt keinen Schlüsseldienst rufen. Er schließt die Tore jeden Abend regelmäßig zu. Man weiß es nie. Sicher ist sicher. Besonders heute bei so vielen Flüchtlingen…

Amen.