Das Jüngste Gericht

Das Jüngste Gericht, das ist ein großes Vorhaben, welches unserer göttlichen Familie bevorsteht. Das wird eine riesige Arbeit. Alle diese Menschen, die geboren und dann gestorben sind, erleben dann ihre Auferstehung, pah, das wird ein Gedränge. Bis man die alle ausgezählt, identifiziert, gruppiert hat und dann geht es richtig los. Zuerst in das Sündenregister reinschauen, um festzustellen, was da alles zu Buche steht.

 

Nach unseren Buchhaltungsunterlagen sind bis jetzt über 296 Milliarden Menschen seit Adam und Eva gestorben, und minütlich kommen Tausende und Abertausende hinzu.

Gut, dass nur die Menschen, die nach Adam und Eva geboren sind, zur Behandlung stehen. Die Menschen, die davor lebten, die gab es nicht.

Die Menschen, die schon vorher nach kurzem Prozess in der Hölle gelandet sind, die bleiben dort. Ich habe keine Zeit, mich damit noch mal näher zu beschäftigen bzw. auseinanderzusetzen. Mein Papa hat auch keine Nerven dazu. Und der Heilige Geist raucht immer noch diese Pfeife mit den Indianern. Er drückt sich von jeder Verantwortung.

Auf jeden Fall, wenn wir irgendwo den einen oder anderen Fehler gemacht haben, was sein könnte, lassen wir das eben so gelten, wir sind ja nur Götter. Die da unten in der Hölle schmoren, die werden dort weiterhin schmoren. Für die gibt es keine Revision mehr. Einmal Sünder, immer Sünder.

Also, alle mit der falschen Religion sind schon in der Hölle gelandet. Es bleiben uns nur die christlichen Gläubigen zur Behandlung. Das sind nach meiner Hochrechnung insgesamt etwa 87 Milliarden.

Nach meinen vorläufigen Unterlagen sind von diesen 87 Milliarden cirka 86 Milliarden durch Sünden belastet und zunächst der Abschiebung in die Hölle geweiht. Diese 1 Milliarde ohne Sünden können wir direkt in den Himmel befördern, wo sie die Liebe Gottes ewig genießen dürfen.

Jedem einzelnen Sünder muß ich seinen Sündenkatalog vorlesen und dann mein Urteil verkünden. Bei kleineren Sünden werde ich mich gnädig zeigen, besonders wenn die Anzahl seiner Gebete zu den Sünden passt. Die mit der ausreichenden Anzahl an Beichten werden bevorzugt.

Bei schwangeren Frauen, die in die Hölle müssen, ihr Ungeborenes geht mit, da es nicht getauft ist, weil sein Ur-, Ur-, Ur-, Ur-, Ur-, Ur-, Ur-, Ur-, Ur-, Ur-, Ur-, Ur-, Ur-, Ur-, Ur-, Ur-, Ur- ….. Ur-Großvater eine Erbsünde bei dem Apfelkonsum gemacht hat. Mit den Schwangeren, die in den Himmel kommen, haben wir jetzt ein Problem, da Papst Benedikt XVI., der Ratzinger, die Vorhölle geschlossen hat. Hier müssen wir bei Ungeborenen beide Augen zudrücken und den Kleinen die Erbsünde vergeben und sie in den Himmel aufnehmen. Wir sind doch gnädig, oder?

Da ich euer Retter bin, muß ich meinem Image gerecht werden.

Aber es gibt ein logistisches Problem. Wenn sie nämlich alle auferstehen, wird es auf der Erde eng. Ich müsste sogar weite Teile der Sahara beanspruchen. Alle sollten mindestens Platz zum Stehen haben.

Von allen Auferstandenen hätte ich dem Moment nur deren Knochen zur Verfügung, dazu kommt noch das Fleisch. Die Rezeptur dafür hat mein Vater. Schwierig wird es werden, bei denen die verbrannt sind. Dazu muß ich mich nochmal mit meinen Vater konsultieren.

Also, ihr solltet mich nicht um diese Arbeit beneiden.

Bei der Anzahl der Sünder, muß ich sagen, ich beneide den Teufel nicht. Der muss sich jetzt verausgaben bei so einem immensen Zugang.

Vielleicht fällt im auch die eine oder andere neue Quälerei ein, sodass er die Sünder sachgemäß bedienen kann. Das ist aber sein Bier.

Da die Erde durch den Klimawandel bald zu Grunde geht, muß ich mich mit dem Jüngsten Gericht ein bisschen beeilen. Ich werde schon ein geeignetes Datum, den 13.09.2042, als Erinnerung in meinen Kalender eintragen. Bis dahin werden noch ein paar Menschen hinzukommen. Bei diesem progressiven Wachstum könnte sich die Masse sogar verdoppeln. Also es ist höchste Zeit, dass ich da was unternehme, sonst wird diese Aufgabe für mich und meinen Vater nicht mehr zu bewältigen sein.

Amen.