Ich bin nicht mehr Atheist

Ich bin nicht mehr Atheist! Ich bin Theist geworden.

Da ich mit der Wahl des Gottes, den meine Eltern in meinem Namen bei der Taufe bestimmt haben, nicht sehr glücklich war, wollte ich nun selbst meinen eigenen Gott googeln bzw. aus Wikipedia zusammenstellen.

Aus einer Vielzahl von Göttern habe ich mich für den Ahura Mazda entschieden. Diesen Gott hat der Prediger Zarathustra verkündet, ähnlich wie damals der Prediger Jesus es mit seinem Vater tat. Aber Zarathustra ist nicht wie er zum Gottessohn avanciert, obwohl er die ganze Zeit seine rechte Hand war. Das finde ich sowieso einfacher.

Ich kann ihm alles glauben. Nach Worten von Plinius dem Älteren, „Zarathustra sei der erste Mensch gewesen, der bei seiner Geburt gelacht habe – was sowohl als Ausweis seiner Klarsichtigkeit wie auch als Anzeichen eines diabolischen Charakters gedeutet werden kann.“

Wann Zarathustra geboren ist, weiß man nicht so genau. Vielleicht um 1800 v. Chr., oder um 1000 v. Chr. oder vielleicht doch um 600 v. Chr. Das ist insofern nicht wichtig, da sein Geburtstag für keine Zeitrechnung benötigt wird.

Da Zarathustra also selbst kein Gott geworden ist, muss ich mit dem Schöpfer Ahura Mazda zufrieden sein. Dabei denke ich an meinen Mazda6, der vor meiner Haustür parkt. Ab jetzt werde ich ihn ganz liebevoll anschauen. Es ist in jeden Fall schön, wenn man den eigenen Gott mit Vor- und Nachnamen kennt.

Ahura Mazda ist schon in die Jahre gekommen. Gestorben ist er nicht, da die Götter nicht sterben können. Aber in einem Altersheim für Götter könnte er sich evtl. schon befinden.

Trotz allem ist er noch im Dienst. Es gibt eine kleine Gemeinde Parser mit 69.601 (im Jahr 2001) Gläubigen, die ihn in Indien (Mumbai) verehren. In Nordamerika leben geschätzte 18.000 bis 25.000 Parsen und ca. 30.000 im Iran. Daneben gibt es eine weltweite Diaspora, die jedoch vergleichsweise klein ist. Diese Gemeinschaft schrumpft seit Jahren aufgrund geringer Anzahl von Kindern und der Tatsache, dass man nur als Parse geboren werden kann – die Parsen lassen keine Konvertiten zu.

Was die Aufnahme in die Religionsgemeinschaft der Parsern angeht, sehe ich also schwarz. Das muss auch nicht sein. Ich gründe ab sofort meine eigene Freie Zarathustra Kirche (FZK).

Da ich jetzt das einzige Mitglied der FZK bin, kann sich somit mein Gott nur um mich alleine kümmern. Daher hat jeder meiner Wünsche die besten Chancen gehört und erfüllt zu werden. Es ist nicht wie bei den großen staatlichen Kirchen. Da haben die Götter echte Probleme zu entscheiden welchem Gläubigen sie z.B. bei einem Fußballspiel die Wünsche erfüllen sollen.

Die Lehren Zarathustras selbst sind in dem heiligen Buch Avesta enthalten. Es besteht aus „einer Sammlung verschiedener Texte unterschiedlicher sprachlicher und stilistischer Art sowie zeitlicher Abstammung und in einer alten nordostiranischen Sprache formuliert.“

Was genau in der Avesta steht, ist eigentlich nicht so wichtig. Wie die meisten Gläubigen, ausgenommen Moslems, habe ich auch nicht vor die heiligen Schriften gründlich zu studieren. Die Moslems hämmern sich nämlich täglich die Koranverse in den Kopf. Es kommt sowieso nicht auf die Inhalte an, es geht nur um ein gutes Gefühl und die Zugehörigkeit.

Aber etwas enthält die Heilige Schrift, was mir besonders gefällt: „Der Mensch kann vergeben oder hassen, der Mensch ist ein Mensch, weil er sich nicht von seinen Instinkten leiten lässt. Jedem ist es überlassen, sich für das Gute zu entscheiden und so den Kampf Ahura Mazdas gegen das Böse zu unterstützen. Wichtig ist hierbei, dass der Zarathustrismus bzw. Ahura Mazda den Menschen zu nichts zwingt. Der Mensch wird als vernünftiges Wesen frei geboren und kann allein durch freie Entscheidung und persönliche Einsicht zu Gott gelangen.“

Na bitte, es geht doch! Ohne Zwang, ohne Religionsunterricht, ohne Inquisition – da muss man doch gläubig werden…

Wir sind eine offene Kirche. Im bin im Moment der Einzige in der Kirche, also Gläubige, Prediger und Papst in einer Person. Wie jede Kirche brauchen wir Geld und werben deshalb um Mitglieder. Wir nehmen jeden an, auch Konvertiten. Eintritt kostet nur 10 Euro. Jeder Neuankömmling bekommt einen Faravahar (Symbol des Zoroastrismus) und danach fällt nur noch eine monatliche Gebühr von einem Euro an. Dafür liefern wir Ihnen den Namen des Gottes und den Rest können sie sich selbst zusammenglauben. Übrigens, wenn alle Parser aussterben, werden wir die einzigen Verehrer von Ahura Mazda bleiben.

Aus der Kirche können sie jederzeit austreten, ohne Austrittsgebühren bezahlen zu müssen, wie sonst bei manchen Kirchen praktiziert wird…

(Die Zitate sind der Wikipedia entnommen.)

Faravahar: