Fußball-Weltmeisterschaft 2018

Bei der Fußballweltmeisterschaft 2018 in Russland war auf der Erde wieder die Hölle los: viel Spannung, viel Aufregung! Auch im Himmel ging es turbulent zu.

Viele Spieler, aber auch viele Zuschauer haben um Hilfe vom Himmel gebetet. Nicht nur die obersten himmlischen Riegen, sondern auch viele Heilige haben schlaflose Nächte verbracht. Sie mussten alle Gebete sammeln, sortieren, bewerten und letztendlich durchführen.

Mit der Zeit wurde es ruhiger, da einige Mannschaften ausgeschieden waren. Es kam endlich zum Finale in Moskau: Frankreich gegen Kroatien.

„Mutti, kannst du bitte mal einspringen? Meine Finger sind schon wund, weil ich die Bälle der Kroaten beim Elfmeter immer wieder ins Netz geleitet habe", wandte sich Jesus an seine Mutter. „Sie haben so eifrig gebetet, dass ich ihnen das nicht abschlagen konnte. Ich bin zwar Fußballfan, aber was zu viel ist zu viel. Die Fußballer sollten auch selbst was für den Erfolg tun, sie bekommen genug Geld dafür.“

 

„Aber mein Sohn, ich kenne mich im Fußball nicht so gut aus. Ich habe Angst, etwas zu vermasseln", erwiderte die Mutter.

„Nein, du kannst nichts falsch machen. Du brauchst nur zuhören, um was gebetet wird. Die Betenden sagen schon was sie wollen. Meistens wollen sie alle den Ball im Tor sehen“, erklärte ihr Sohn. Dann kam der Tag des Finales und die Gebete gingen in Richtung Himmel. Die Franzosen wandten sich an die „Maria aus Lourdes“ und die Kroaten an die „Maria aus Međugorje“. Da bekam die Maria Identitätsprobleme.

Sie hatte sich schon mal in Lourdes gezeigt, aber dass war schon lange her, vor etwa einem Vierteljahrhundert. Das mit Međugorje war ihr suspekt, sie konnte sich nicht daran erinnern, in Međugorje je erschienen zu sein.

Wie auch immer, sie entschied sich als „Maria aus Lourdes“ anzutreten. Sie wählte die Westtribüne, da sie von dort die beste Übersicht hatte.

 

Plötzlich wurde es an der Osttribune kurz hell, und da tauchte „Maria aus Međugorje“ auf. Die Maria von der Westtribüne war entsetzt. War das da drüben eine Betrügerin, eine Doppelgängerin, eine geklonte Maria, eine von ihren Schwestern, die sie noch nicht kannte oder hatte Josef noch eine Maria???

Sie war in den Gedanken vertieft, als der Schiedsrichter das Spiel anpfiff. Wie auch immer, die Maria von der Westtribune wollte zeigen, dass sie die richtige Maria ist. In ein paar Minuten hatte sie einen Ball in das kroatische Tor geleitet. Die Franzosen jubelten! 1:0!

Maria war zufrieden. Sie hatte ihren Sohn nicht enttäuscht. Es läuft prima. In dem Moment erzielten die Kroaten ein Tor. Die „Osttribüne“ hatte zugeschlagen. 1:1!

 

Nein, so nicht, sagte sich Maria von der „Westtribüne“ und machte gleich noch drei Tore für die Franzosen. „Mit 4:1 wird mein Sohn zufrieden sein", sagte Maria und da sie der Fußball sowieso nicht besonders interessierte, machte sie ein Nickerchen.

In dem Moment schlug die Osttribüne wieder zu. Die Kroaten machten ein lustiges Tor. Da konnte man sehen, wie die „Maria aus Međugorje“ auch den französischen Torwart veräppelt hatte. „Maria aus Lourdes“ sagte sich, was soll's, wir haben trotzdem gewonnen.

 

Am Ende des Spiels hat Maria ihrem Sohn eine SMS geschickt: „Ich habe es geschafft! Wir haben mit 4:2 gewonnen. Du kannst stolz auf mich sein.“

Und kurz danach bekam Jesus noch eine zweite SMS: „Leider, mein Sohn, wir haben mit 2:4 verloren!“