Aufklärung im 19. Jahrhundert

Im 19. Jahrhundert starb Gott, und zwar in Deutschland. 1835 holte David Friedrich Strauß mit seinem Buch "Das Leben Jesu" die Bibel vom Podest absoluter, offenbarter Wahrheit herunter auf den Boden eines gewöhnlichen historisch-literarischen Textes, auf den die Methoden der neuen, kritischen Geschichts- und Literaturwissenschaft anzuwenden seien. Sechs Jahre später degradierte Charles Darwin mit seiner Abhandlung über den "Ursprung der Arten" den Menschen zum nackten Affen und den biblischen Schöpfungsbericht zum Märchen. In seiner Kritik der Hegel'schen Rechtsphilosophie von 1843 bezeichnete Karl Marx die Religion als "Opium des Volkes". Und 1882 konnte Friedrich Nietzsche in der "Fröhlichen Wissenschaft" feststellen: "Gott ist tot".

Alan Posener ("Religion als Neurose", Die Welt, 06.05.2006)