Benjamin Franklin

Benjamin Franklin (* 17. Januar 1706 in Boston, Massachusetts; † 17. April 1790 in Philadelphia, Pennsylvania) war ein amerikanischer Drucker, Verleger, Schriftsteller, Naturwissenschaftler, Erfinder und Staatsmann.

Als einer der Gründerväter der Vereinigten Staaten beteiligte er sich am Entwurf der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten und war einer ihrer Unterzeichner. Während der Amerikanischen Revolution vertrat er die Vereinigten Staaten als Diplomat in Frankreich und handelte sowohl den Allianzvertrag mit den Franzosen als auch den Frieden von Paris aus, der den Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg beendete. Als Delegierter der Philadelphia Convention beteiligte er sich an der Ausarbeitung der amerikanischen Verfassung.

Franklins Leben war in hohem Maße von dem Willen geprägt, das Gemeinwesen zu fördern. Er gründete die ersten Freiwilligen Feuerwehren in Philadelphia sowie die erste Leihbibliothek Amerikas und konstruierte einen besonders effektiven und raucharmen Holzofen. Auch machte er wissenschaftliche Entdeckungen, er erfand unter anderem den Blitzableiter.

Geboren als Sohn eines Seifen- und Kerzenmachers, machte Franklin zunächst eine Karriere als Drucker, bevor er sich im Alter von 42 Jahren aus dem Geschäftsleben zurückzog und in die Politik ging. Sein sozialer Aufstieg galt – befördert durch seine in zahlreichen Auflagen gedruckte Autobiographie – über lange Zeit hinweg als ein Musterbeispiel dafür, wie man sich aus eigener Kraft und mit Disziplin emporarbeiten kann.

Leben und Werk
Frühe Jahre: Boston, 1706–1723

Benjamin Franklin wurde am 17. Januar 1706 (6. Januar des Julianischen Kalenders) als 15. Kind des Seifen- und Kerzenmachers Josiah Franklin in Boston, Massachusetts, geboren. Seine Vorfahren stammten aus dem Dorf Ecton in der zentralenglischen Grafschaft Northamptonshire. In seiner Autobiographie gab Benjamin Franklin später an, sein Vater sei nach Amerika ausgewandert, weil er dort als Puritaner seinen Glauben frei ausüben konnte. Tatsächlich war es aber wohl auch wirtschaftlicher Druck, der Josiah veranlasste, 1683 mitsamt seiner ersten Frau Anne Child und ihren drei Kindern ein Schiff in Richtung Boston zu besteigen. Die Löhne in der Neuen Welt waren um ein dreifaches höher als in England, zugleich waren die Lebenshaltungskosten niedriger.

Im Jahr 1689 starb Josiahs erste Frau und nur wenige Monate später heiratete er Abiah Folger. Sie entstammte einer Familie, die mit der ersten Welle puritanischer Immigranten nach Boston gekommen war. Gemeinsam hatten sie acht Kinder, von denen Benjamin das zweitjüngste war.

Um ihn für ein Studium in Harvard und eine spätere Laufbahn als Pastor vorzubereiten, schickte Josiah seinen Sohn Benjamin im Alter von acht Jahren auf die Bostoner Lateinschule. Dort zeigte sich schon früh seine hohe Begabung. Er gehörte zu den besten Schülern und übersprang eine Klasse. Trotz dieser Erfolge schrieb ihn sein Vater für ein Jahr in einer anderen Schule ein, wo er Schreiben und Arithmetik lernen sollte. Während Benjamin Franklin in seiner Autobiographie behauptete, dies sei allein dem geringen Einkommen seines Vaters geschuldet gewesen, gehen Biographen wie Walter Isaacson davon aus, dass Josiah Franklin schon früh die rebellische Natur seines Sohnes erkannte und deshalb entschied, er sei für eine geistliche Laufbahn ungeeignet....

Unabhängigkeitserklärung und Pennsylvania Constitution

Um das britische Postsystem in den Kolonien zu ersetzen, war Franklin im Juli 1775 zum Postmaster General ernannt worden. Für seine Dienste erhielt er eine Summe von 1000 Pfund im Jahr, die er jedoch für die Versorgung verwundeter Soldaten spendete. Am 23. August 1775 erschien die Proklamation König Georgs III., dass sich alle amerikanischen Kolonien an einer Rebellion beteiligen würden. Im Oktober desselben Jahres und erneut im März 1776 wurde Franklin vom Kongress zusammen mit anderen Delegierten beauftragt, sich auf zwei Inspektionsreisen ein Bild vom Zustand der Kontinentalarmee zu machen. Während seines Zusammentreffens 1775 mit George Washington in dessen Hauptquartier in Cambridge (Massachusetts), belagerte der General gerade erfolgreich die in Boston zusammengezogenen Briten. Doch die finanziellen Probleme des anhaltenden Krieges, fehlende Rekruten und ausbleibender Nachschub bereiteten Washington große Sorgen. Daher arbeitete Franklin einen detaillierten Plan zur Versorgung und Ausbildung der Soldaten aus – ganz so, wie er es auch schon vorher bei der Bürgermiliz von Pennsylvania getan hatte. Während die Reise nach Cambridge im Herbst leicht zu bewältigen war, brachte seine Entsendung nach Kanada im März 1776 den inzwischen siebzigjährigen Franklin an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit. Das ging so weit, dass er noch während der Reise Abschiedsbriefe an seine Freunde schickte, weil er annahm, die Strapazen nicht überstehen zu können.

Bei seiner Rückkehr nach Philadelphia wurde Franklin in ein Komitee zur Ausarbeitung der Amerikanischen Unabhängigkeitserklärung gewählt. Noch immer gesundheitlich angegriffen, beschränkte sich seine Rolle anfangs darauf, die Entwürfe Thomas Jeffersons durchzugehen und Verbesserungsvorschläge zu erarbeiten. Seine Änderungen sind in dem Dokument überliefert, das Jefferson als „Rohentwurf“ (engl. rough draft) bezeichnete und das heute in der Library of Congress aufbewahrt wird. Die wohl wichtigste seiner Änderungen war ebenso klein wie bedeutsam: In Jeffersons Formulierung „Wir halten diese Wahrheiten für heilig und unbestreitbar“ (engl. We hold these truths to be sacred and undeniable) strich Franklin die Worte „heilig und unbestreitbar“ und ersetzte sie durch „selbstverständlich“ (engl. self-evident).

Nachdem die Loslösung von Großbritannien vollzogen war, machten sich die einzelnen Staaten an die Ausarbeitung von Verfassungen. Für Pennsylvania wurde Franklin einstimmig zum Präsidenten des Gremiums gewählt, das die neue Verfassung gestalten sollte. In einer Zeit, als die englische Mischverfassung mit ihrer Balance zwischen Krone, Oberhaus und Unterhaus als das Ideal galt, sah die Pennsylvania Constitution lediglich ein Einkammersystem vor. Damit gilt sie heute als der demokratischste aller Verfassungsentwürfe jener Zeit. Insbesondere in Frankreich wurde die Idee mit großem Beifall aufgenommen und Jahre später in der Französischen Revolution umgesetzt.

Diplomat: Paris 1776–1785
Personifikation Amerikas: Franklin-Begeisterung in Paris

Eines der zahlreichen Medaillons mit Franklins Abbild. Der französische König wurde des Anblicks von Franklin-Porträts so überdrüssig, dass er einer von Franklins Bewunderinnen einen Nachttopf schenkte, von dessen Boden ihr das Gesicht des Amerikaners entgegenblickte.

Angesichts ihrer angespannten militärischen Lage war es für die Amerikaner entscheidend, bei anderen europäischen Mächten um Unterstützung zu werben. Deshalb beschloss der Kontinentalkongress 1776, eine Delegation nach Paris zu entsenden. Frankreich mit seiner jahrhundertelangen Geschichte von Kriegen gegen England bot sich als Partner umso mehr an, als die Franzosen zuletzt im Siebenjährigen Krieg weite Teile ihrer überseeischen Besitzungen an Großbritannien verloren hatten. Die Delegation bestand aus Benjamin Franklin, dem Kaufmann Silas Deane sowie dem aus Virginia stammenden Arthur Lee (1740–1792). Ihr Ziel bestand darin, Waffen und Munition für die Kontinentalarmee zu beschaffen und ein Bündnis mit Frankreich zu schließen.

Bei seiner Ankunft in Paris wurde Franklin begeistert empfangen. Diese Begeisterung kam nicht von ungefähr: 1751 hatte der französische Naturforscher Georges-Louis Leclerc de Buffon Franklins Schrift Experiments and Observations on Electricity gelesen und eine französische Übersetzung angeregt. Als diese ein Jahr später in den Druck ging, erhielt Franklin ein persönliches Glückwunschschreiben des französischen Königs. In den folgenden Jahren erhielt er eine wachsende Anzahl von Briefen seiner französischen Bewunderer. Unter ihnen war der Mediziner und Botaniker Jacques Barbeu-Dubourg (1709–1799), der viele von Franklins Essays und Werken ins Französische übersetzte, darunter auch das Protokoll jener Unterhaussitzung, in der sich Franklin zum Stempelgesetz geäußert hatte. Allein diese Schrift wurde in fünf unterschiedlichen Auflagen gedruckt und verbreitet. Nur wenige Wochen nach seiner Ankunft wurde Franklins Werk The Way to Wealth unter dem Titel La Science du Bonhomme Richard veröffentlicht und erlebte innerhalb kürzester Zeit vier Neuauflagen. Sein Ruhm in Frankreich war so groß, dass die Straßen von Paris mit Menschen gesäumt waren, als Franklin im Dezember 1776 dort ankam.

„[Franklin] ist sehr gefragt“, notierte ein Tagebuchschreiber, „und dies nicht nur bei seinen gelehrten Kollegen, sondern bei jedermann, der Zugang zu ihm erlangen kann“. Wohin auch immer er in seiner Kutsche reiste, bildeten sich Menschengruppen, die ihn hochleben ließen und einen Blick auf ihn werfen wollten. Die Damen der Pariser Salons imitierten Franklins braune Nerzkappe, indem sie ihren Perücken die Form einer Pelzmütze gaben und damit ihre Haare „à la Franklin“ trugen. Ein Beobachter in der französischen Hauptstadt schrieb, es sei auch in Mode gekommen, dass in jedem Haushalt ein Kupferstich von Franklin über dem Kaminsims hänge. Sein Gesicht erschien überall – auf Schnupftabakdosen, Uhren, Taschenmessern, Vasen, Tellern und Süßigkeitenschachteln. Einige Franzosen versuchten sogar, Franklin als einen der ihren zu vereinnahmen, indem sie darauf hinwiesen, dass der Familienname „Franquelin“ in der Picardie geläufig sei. Gleichzeitig entstand eine Reihe von Porträts, Büsten und Medaillons mit seinem Abbild. Jean-Antoine Houdon und Jean-Jacques Caffiéri gestalteten Büsten, Jean-Baptiste Greuze und J. F. de L’Hospital porträtierten ihn und Joseph-Siffred Duplessis (1725–1802) schuf gleich ein Dutzend Ölgemälde, die in einer Vielzahl von Drucken Verbreitung fanden.

1784 waren u. a. Antoine Laurent de Lavoisier und Franklin Mitglied einer von der Académie française eingesetzten Kommission zur Überprüfung des sogenannten tierischen Magnetismus (Mesmerismus). Sie erklärte den Mesmerismus für unwirksam. Mit der Familie Lavoisier verband ihn eine Freundschaft. Von Marie Lavoisier soll auch ein Porträt des Benjamin Franklin aus den Jahren 1787/88 stammen; es wurde von ihr nach einer Vorlage von Joseph-Siffred Duplessis (1725–1802) erstellt. Er war Mitglied der 1776 gegründeten Freimaurerloge Les Neuf Sœurs.

Aus Sicht der französischen Philosophen, so Gordon S. Wood, besaß Amerika genau jene Qualitäten, an denen es Frankreich mangelte: natürliche Einfachheit, soziale Gleichheit, religiöse Freiheit und eine ländliche Aufgeklärtheit. So schufen die Aufklärer ein Idealbild Amerikas, das sie als Waffe gegen die aristokratische Korrumpiertheit und den materiellen Luxus des Ancien Régime einsetzten. Franklin, mit seinem schlichten Auftreten und der hinterwäldlerisch anmutenden Nerzkappe auf seinem Kopf, wurde zum Symbol dieses Idealbildes....

Kampf gegen die Sklaverei

Am I not a man and a brother (dt. Bin ich nicht ein Mensch und ein Bruder). Emblem der britischen Society for Effecting the Abolition of Slavery aus dem Jahr 1787. Josiah Wedgwood produzierte Steinzeugmedaillons mit diesem beliebten Motiv der Abolitionismus-Bewegung und schickte einige davon an Franklin.

In seinem letzten Lebensjahr engagierte sich Franklin öffentlichkeitswirksam für die Abschaffung der Sklaverei. Seine Einstellung zur Sklavenhaltung hatte er bis dahin grundlegend verändert. Während seiner Zeit als Verleger in Philadelphia ließ er noch Anzeigen für den Verkauf von Sklaven oder für die Suche nach entlaufenen Sklaven drucken und hielt in seinem Haushalt zudem eigene Sklaven. Doch schon 1729 hatte er eine der ersten Veröffentlichungen gegen die Sklaverei in den Kolonien gedruckt, und seine Frau Deborah meldete ihre Haussklaven in einer Schule für Schwarze in Philadelphia an. Seine 1751 veröffentlichte Schrift Observations on the Increase of Mankind zeigt, dass Franklin zu diesem Zeitpunkt die Sklavenhaltung noch größtenteils aus wirtschaftlichen Überlegungen verurteilte. In den 1770er Jahren sympathisierte er mit dem Sklavereigegner Anthony Benezet, räumte jedoch ein, ein sofortiger Einfuhrstopp für Sklaven käme erst „mit der Zeit“.

Franklins Engagement gegen die Sklaverei kulminierte in seiner Berufung zum Präsidenten der 1787 gegründeten Pennsylvania Abolition Society. In einer für ihn typischen Manier gab er der Gesellschaft eine detaillierte Satzung „für die Verbesserung der Lebensumstände freier Schwarzer“. Im Namen der Gesellschaft schickte er schließlich eine Petition an den Kongress, in der er dazu aufrief, die Freiheit der Bürger der Vereinigten Staaten ungeachtet ihrer Hautfarbe zu garantieren. Doch seine Bemühungen waren erfolglos. Angeführt von dem Abgeordneten James Jackson aus Georgia, verwarf der Kongress die Petition mit dem Hinweis, dass die Sklaverei durch die Bibel legitimiert und ohne die Sklaven die harte Arbeit auf den Plantagen nicht zu bewältigen sei.

Als Antwort auf Jacksons Rede vor dem Kongress verfasste Franklin die fiktive Rede eines gewissen Sidi Mehemet Ibrahim, Mitglied des Diwan von Algier, die er unter dem Pseudonym „Historicus“ an die Zeitung Federal Gazette schickte. In diesem Text, der in seiner Aufmachung an Franklins Edict from the King of Prussia anknüpfte, attackierte ein osmanischer Schreiber eine Petition, die das Ende der Versklavung europäischer Christen einforderte. „Wer wird in diesem heißen Klima unser Land bearbeiten, wenn wir es verbieten, ihr Volk [die Christen] zu versklaven?“ ließ Franklin den Schreiber fragen. Franklins Satire endet mit dem Kommentar, dass der Diwan – analog zum amerikanischen Kongress – die Petition mit der Bemerkung verwarf, es sei im Interesse des Staates, die Praxis der Sklaverei aufrechtzuerhalten.

(Auszüge aus Wikipedia)

Quelle: www.wikipedia.org