Paul Henri Thiry d’Holbach

Paul-Henri Thiry d’Holbach, Baron d'Holbach, (geboren bzw. getauft am 8. Dezember 1723 in Edesheim bei Landau - gestorben am 21. Januar 1789 in Paris) war ein Philosoph der französischen Aufklärung, der vor allem für seine religionskritischen und atheistischen Thesen bekannt ist.

Holbach war ein Mitarbeiter der Encyclopédie, der er zahlreiche Artikel über Metallurgie, Chemie und verwandte Themen verfasste. Berühmtheit erlangte sein Buch System der Natur, das er 1770 unter dem Namen des zu der Zeit bereits seit zehn Jahren verstorbenen Jean-Baptiste de Mirabaud veröffentlichte. In diesem Werk trat er ausdrücklich für den Atheismus ein und betrachtete die Natur als materialistisch-deterministisch wirkende Kette von Prozessen. Später schrieb Holbach vor allem moralphilosophische und politische Werke. Wegen der heftigen Kritik am bestehenden absolutistischen Regime und an der Kirche publizierte dieser Aufklärer anonym oder pseudonym, weshalb seine Autorschaft bei mehreren ihm zugeschriebenen Werken nicht eindeutig geklärt ist. Sein Pariser Haus war ein Treffpunkt und ein wichtiges Zentrum des Gedankenaustauschs unter den Aufklärungsphilosophen, den »philosophes«.

Tätigkeit als Übersetzer und Enzyklopädist

D’Holbachs Schaffen kann man grob in drei Etappen einteilen:

    1752–1760 stehen seine Beiträge zur Encyclopédie im Vordergrund. So übersetzt und redigiert er mehr als 400 Beiträge über naturwissenschaftlich-technische Themen etwa der Mineralogie, der Bergbaukunde und der Chemie. So übersetzte er beispielsweise Werke von Johannes Kunckel zur Glasherstellung und das zweibändige Werk zur Mineralogie von Johan Gottschalk Wallerius. Aber auch Werke der Chemiker und Metallurgen so Antonio Neri, Christopher Merret, Johann Friedrich Henckel, Johann Christian Orschall und Georg Ernst Stahl, um einige weitere zu präzisieren, wurden von ihm in das Französische übertragen. Er beschäftigt sich aber parallel auch – aus englischen und französischen Quellen – mit der Geistes- und Religionsgeschichte. So etwa Schriften des englischen Deisten und Philosophen Anthony Collins.
    1760–1770 war die Zeit religionskritischer Werke, welche allesamt, wegen der strengen Zensur in Frankreich, unter Pseudonym in Holland publiziert wurden, etwa Das entschleierte Christentum, Le christianisme dévoilé (1761), Briefe an Eugenie, Lettres à Eugénie oder Schutzmittel gegen die Vorurteile, Lettres à Eugénie, ou Préservatif contre les préjugés (1768) und der Der Geist des Judentums, L'Esprit du judaïsme (1769).
    1770–1780 das dritte Jahrzehnt seines Schaffens war die Phase seiner Hauptwerke: Versuch über die Vorurteile: Essai sur les préjugés, ou De l’influence des opinions sur les mœurs & le bonheur des hommes (1770), System der Natur (1770), Système de la nature ou des loix du monde physique & du monde moral, Der gesunde Menschenverstand, Le Bon Sens (1772), Das Gesellschaftssystem, oder natürliche Grundsätze der Moral und der Politik, Politique Naturelle, ou Discours sur les vrais principes du Gouvernement (1773), Die universelle Moral, oder die Pflichten des Menschen, gegründet auf seiner Natur, La Morale Universelle, ou Les devoirs de l’homme fondés sur la Nature (1776).

Holbachs „Coterie“

Eine besondere Bedeutung für den Meinungsaustausch in Holbachs Umfeld hatte die Coterie holbachique („Holbach’sche Clique“). Das Wort bezeichnete eine Gruppe von Personen, die der Aufklärung nahestanden und die sich während der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts regelmäßig, donnerstags und sonntags, über mehrere Jahrzehnte hinweg, zu Abendessen bei Holbach trafen, um diverse Themen frei zu diskutieren.

Neben Holbach selbst waren von 1750 bis 1780 folgende Personen Mitglieder der Coterie, eine Auswahl: Denis Diderot, Claude Adrien Helvétius, Friedrich Melchior Grimm, Charles-Georges Le Roy, Jean-François Marmontel, Guillaume Thomas François Raynal, Augustin Roux, Jean-François de Saint-Lambert und Jean-Baptiste-Antoine Suard (1732–1817). Drei weitere Männer – François-Jean de Chastellux, André Morellet und Jacques-André Naigeon – nahmen nur von 1760 bis 1780 an den Treffen teil.

Philosophische Beiträge

In seinem philosophischen Werk zeigen sich deutlich Einflüsse von Baruch de Spinozas Kritik am Gottesbegriff (vergleiche hierzu Rationalismus), von Claude Adrien Helvétius sittlichem Prinzip, von Julien Offray de La Mettrie Materialismuslehre und von Étienne Bonnot de Condillacs formulierter sensualistischer Erkenntnistheorie.

Zentrale Punkte in den Überlegungen dieses Radikalaufklärers sind religionskritische und materialistische Thesen. Sein Bemühen war es, durch das Aufzeigen der Irrtümer und der Blockierungen durch die Metaphysik, dem menschlichen Bewusstsein den Zugang zu wirklichen Erkenntnissen zu ermöglichen. Konsequenterweise wendet sich seine Kritik an alle Arten der Religionen und deren moralischem Absolutheitsanspruch. An Stelle einer durch ein Glaubensbekenntnis geoffenbarten Ethik möchte er eine an der gesellschaftlichen Nützlichkeit orientierte und empirisch überprüfbare Form gesetzt sehen.

D’Holbachs Gedankenwelt

D’Holbach betrachtet die Natur als ein deterministisches System. In dieser Vorstellung von der Natur sollten sämtliche Implikationen des Menschen verworfen werden, die von seinem Wollen und Begehren hergeleitet werden. Natur kenne kein System von Werten oder Annahmen darüber, was gerecht oder ungerecht, gut oder böse sei. In der Natur herrsche eine Gleichwertigkeit oder Äquivalenz von allem Sein. Alles entstünde aus einer Notwendigkeit, und kein Wesen könne anders handeln, als es tatsächlich handelt. Somit gibt es in der Natur kein Übel, deshalb auch nichts Böses und folglich keine Schuld und keine Unordnung.

Religionskritische Werke

Nach 1760 verlagerte sich Holbachs Interesse zunehmend auf die Religionskritik. Im vermutlich 1766 klandestin und pseudonym veröffentlichten Werk Le christianisme dévoilé („Das entschleierte Christentum“) verurteilt er mit scharfen Worten den moralischen und politischen Einfluss der christlichen Religion, die er als absurd und konfliktträchtig ablehnt. Das Manuskript wurde offensichtlich, so Antoine-Alexandre Barbier, einem guten Freund d’Holbachs anvertraut, Jean-François de Saint-Lambert, der es bei dem Verleger Le Clerc in Nancy drucken ließ. Durch Indiskretion habe der Verleger beinahe den Verfasser des Buches und seinen Überbringer in Schwierigkeiten gebracht.

Für großes Aufsehen, sowohl bei den Aufklärern als auch bei deren Gegnern, sorgte 1770 Holbachs Système de la nature. Das pseudonym veröffentlichte Werk – er gab es aus Furcht vor politischer Verfolgung unter dem Namen des 1760 verstorbenen französischen Philosophen Jean-Baptiste de Mirabaud heraus – stellt ein mechanistisches Weltbild dar, in dem die Natur aus sich selbst wirkt und alle Prozesse deterministisch ablaufen. Das Werk propagiert ausdrücklich den Atheismus, den es als moralisch überlegen erachtet. Der Autor argumentiert gegen verschiedene Gottesbeweise. Der Glaube an höhere Wesen sei auf Unwissenheit, Angst und Gewohnheit zurückzuführen, und die religiös begründete Ethik sei durch ein „vernunftgemäßes“ moralisches System zu ersetzen. Dank der Diskretion seiner Mitstreiter blieb Holbach immer von Verfolgungen durch die  französischen Behörden, die gegen die Verfasser derartiger Schriften vorgingen, verschont. Im 1772 erschienenen Folgewerk Le bon sens fasste Holbach die im Système de la nature formulierten Thesen prägnant zusammen.

(Auszüge aus Wikipedia)

Quelle: www.wikipedia.org


Ausgewählte Bücher über Paul Henri Thiry d’ Holbach

Ausgewählte Bücher von Paul Henri Thiry d’ Holbach