Die Politische Philosophie des Gabriel Bonnot de Mably

Die Politische Philosophie des Gabriel Bonnot de Mably (1709–1785)

Eine Studie zur Geschichte des republikanischen und des sozialen Freiheitsbegriffs

Autor: Peter Friedemann

Herausgeber: Prof. Dr. Hajo Funke und Dr. Lars Rensmann

Verlag: LIT-Verlag Berlin, 2014

Erschienen: 2014

350 Seiten

Rezension:

Gabriel Bonnot de Mably gehört zweifelsohne zu den herausragendsten Köpfen, die nicht nur das Vorfeld der Französischen Revolution prägten, sondern auch die französische Aufklärung. Sein geringer Bekanntheitsgrad in der deutschen Fachdebatte ist daher nachgerade beschämend. Peter Friedemann unternimmt – unter Berücksichtigung neuen Quellenmaterials – den Versuch, de Mablys politische Philosophie in gegenwartsdiagnostischer Absicht neu zu erschließen. Zutage tritt dabei ein Denker, dessen politische Ideen zwischen zwei Polen anzusiedeln sind: zwischen jenem einer an Macht- und Gewaltenteilung orientierten Repräsentativverfassung im Sinne Montesquieus auf der einen und jenem einer am normativen Ideal der volonté genérale ausgerichteten direktdemokratischen Verfassung im Sinne Rousseaus auf der anderen Seite. Der solcherart von de Mably entworfene „alternative Weg“ (237) deutet stattdessen auf eine fundierte „Kritik an den ‚kommerziellen Gesellschaften’“ (241), deren „maßlose Ökonomie“ die Grundlagen einer auf Gleichheit, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit ausgerichteten Verfassung zu unterminieren droht. Insofern der späte de Mably die Sicherstellung substanzieller, also echter Gleichheit im Sinne einer Annäherung der gesellschaftlichen Lebensverhältnisse nicht mehr nur im nationalen, sondern auch im internationalen Rahmen gedacht hat, avanciert die materielle Sicherung der Würde des Menschen zu einem universellen Menschenrecht. Im Unterschied zu anderen zeitgenössischen Analysen, etwa den etwas späteren von Karl Marx, ging de Mably dabei von einer Konzeption der Menschenrechte aus, die diese nicht auf die Mitglieder der bürgerlichen Gesellschaft beschränkt sieht, sondern an einem „gemeinschaftsfähigen, nicht von der Gemeinschaft isolierten Menschenbild“ (247) orientiert bleibt. So entfaltet seine Forderung nach materieller Angleichung der Lebensverhältnisse eine wesentlich weiterreichende Tragfähigkeit. „Sein republikanisches und soziales Verständnis politischer Gemeinbildungsprozesse“, so Friedemann angesichts gegenwärtig massiv zunehmender Ungleichheit, „verweist gerade aus einer solchen Perspektive auf zukunftsweisende Aspekte“ (245).

Matthias Lemke, Dr. phil. habil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.

Matthias Lemke, Rezension zu: Peter Friedemann: Die Politische Philosophie des Gabriel Bonnot de Mably (1709-1785) Berlin: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, pw-portal.de/rezension/38148-die-politische-philosophie-des-gabriel-bonnot-de-mably-1709-1785_46586, veröffentlicht am 05.03.2015.