Claude Adrien Helvétius

Claude Adrien Helvétius, eigentlich in der nicht latinisierten Form Claude Adrien Schweitzer (* 26. Februar 1715 in Paris; † 26. Dezember 1771 in Paris) war ein französischer Philosoph des Sensualismus und Materialismus der Aufklärung. Er war der Ehemann der Salonnière Anne-Catherine de Ligniville Helvétius.

Herkunft und Jugend

Johann Friedrich Schweitzer (latinisiert Helvétius), der Großvater, stammte ursprünglich aus Köthen (Anhalt), er studierte um das Jahr 1649 Medizin in Harderwijk in Holland, später wurde er Leibarzt von Wilhelm III. (Oranien). Sein Sohn Jean Claude Adrien Helvetius (1685–1755) war ebenso Arzt. Er ging nach Paris und begründete eine ärztliche Praxis in Frankreich. Später avancierte er zum Leibarzt der Königin Maria Leszczynska, surintendant de la Maison de la Reine. Damit war der Aufstieg der Familie zu den herrschenden Kreisen der absolutistischen Feudalgesellschaft gesichert. Seine Mutter war Geneviève Noëlle de Carvoisin (1690–1767).

Generalsteuerpächter und Kammerherr der Königin

Helvétius war von seinem Vater für das Finanzfach bestimmt, der ihm das Amt des Hauptsteuerpächters, Ferme générale, kaufte, welches er 1738 im Alter von 23 Jahren antrat. „Das Amt war mit so ungeheuren Einnahmen verknüpft, daß Helvétius es sich leisten konnte, schon im Alter von sechsundreißig Jahren abzudanken und sich als Schlossherr auf seine Besitzungen von Voré zurückzuziehen.“ (Werner Krauss). Auch nach seiner Amtsniederlegung behielt Helvétius Kontakt zu den obersten Kreisen, indem er Kammerherr der Königin wurde.

Protagonist der Aufklärung

Die meiste Zeit widmete er jedoch seinen Studien. Er stand in engem Kontakt zu anderen Denkern der Aufklärung wie Jean Baptiste le Rond d’Alembert, Denis Diderot, Paul Heinrich Dietrich von Holbach und war häufiger Gast auf dem Château de la Brède von Charles de Secondat, Baron de Montesquieu.

Der Skandal um De l’esprit

1758 erschien De l’esprit mit einem königlichen Druckprivileg, avec approbation et privilege du roi, aber anonym in Paris. Helvétius überreichte der königlichen Familie persönlich ein Exemplar. Dennoch widerrief der Staatsrat die Druckerlaubnis. Die gesamte Auflage wurde beschlagnahmt. Helvétius wurde zum Widerruf gedrängt und gab nach anfänglichem Widerstreben nach. Er fühlte sich nicht zum Märtyrer berufen und glaubte, intelligente Leser würden ohnehin die Nichtigkeit dieses Widerrufs erkennen. Durch die Angriffe der Jesuiten, der Sorbonne und des Papstes drohte Helvétius auch persönliche Verfolgung, die er aber aufgrund seiner guten Beziehungen abwehren konnte. So waren es der Erzbischof Christophe de Beaumont von Paris, der am 23. Januar 1758 ein mandement verkündete, gefolgt von einem arret des Parlement in Paris und am 30. Januar 1759 folgte die Indizierung durch Papst Clemens XIII.

Erkenntnistheorie

Helvétius ist ein stark von John Locke beeinflusster, entschiedener Sensualist und Materialist. Alle Vorstellungen führt er zurück auf den Eindruck äußerer Gegenstände auf die Sinne des einzelnen Menschen. Hélvetius geht von der Empfindlichkeit der Materie aus. Große Schwierigkeiten bereitete es ihm, den Übergang von der unbelebten zur belebten Materie zu erklären.

Religion

Helvétius vertritt einen rigorosen Atheismus. Der Glaube an Gott und Seele sei das Resultat des menschlichen Unvermögens, die Gesetze der Natur zu verstehen. Religion, insbesondere die katholische, halte die Menschen aus Herrschaftsinteressen absichtlich in diesem Zustand des Unwissens. Helvétius sieht im Gegensatz zu vielen seiner Zeitgenossen in der Religion keinen Stabilitätsfaktor, sondern eine Bedrohung der politischen Ordnung. Die Überschrift zum 2. Kapitel des siebten Abschnitts seines Werks Vom Menschen [etc.] lautet: „Vom religiösen Geist, der den Geist der Gesetzgebung zerstört“. Den Grund dieser zerstörenden Wirkung sieht Helvétius im „Interesse des Priesters“: „Ein untätiger Stand ist ehrgeizig: er möchte reich und mächtig sein und kann dies nur werden, indem er die Beamtenschaft ihrer Autorität und die Völker ihres Eigentums beraubt. Um sich dies beides anzueignen, stützten die Priester die Religion auf eine Offenbarung und erklärten sich selbst zu deren Interpreten. Ist man der Interpret eines Gesetzes, dann verändert man es nach eigenem Belieben. So wird man auf lange Sicht dessen Autor.“ Trotz dieser und vieler ähnlicher Aussagen beantwortet Helvétius die Frage nach dem Ursprung aller Religion gerade nicht mit einer Theorie vom Priestertrug; er erklärt sich die Religion aus dem Glücksstreben der Menschen. In vielen Kapiteln seines Werks erweist sich Helvétius als Gegner aller religiösen Intoleranz und als Vorkämpfer von Toleranz in der Gesetzgebung des bürgerlichen Staates.

(Auszüge aus Wikipedia)

Quelle: www.wikipedia.org