Titus Lucretius Carus

Titus Lucretius Carus (deutsch Lukrez; * vermutlich zwischen 99 und 94 v. Chr.; † vermutlich um 55 oder 53 v. Chr.) war ein römischer Dichter und Philosoph in der Tradition des Epikureismus. Sein wahrscheinlich unvollendetes Werk De rerum natura (Über die Natur der Dinge) ist eine der Hauptquellen zur Philosophie Epikurs, die ansonsten nur in Fragmenten überliefert ist.

Philosophie

Lukrez war ein Vertreter der Atomistik. Er berief sich vor allem auf die Lehre von Epikur. Sein Lehrer war wahrscheinlich Philodemos.

Lukrez war überzeugt, dass die Seele sterblich sei (wofür er 28 „Beweise“ vorbrachte[13]) und dass es den Göttern nicht möglich sei, sich in das Leben der Menschen einzumischen. Seine Philosophie sollte dem Menschen Gemütsruhe und Gelassenheit geben und ihm die Furcht vor dem Tode und den Göttern nehmen. Lukrez nimmt, im Gegensatz zu Epikur, Anteil an den gesellschaftlichen Ereignissen seiner Zeit, verurteilt den sittlichen Verfall des Adels, klagt den Krieg und seine Schrecken an.

Rezeption

Lukrez gilt als der Archeget des lateinischen Lehrgedichts. Sein Einfluss ist nicht auf die weitere römische Lehrdichtung (z. B. Vergils Georgica, Ovids Ars Amatoria, Manilius’ Astronomica, das anonyme Aetna-Gedicht) beschränkt, sondern wirkt über Vergils Aeneis auf das gesamte lateinische Epos ab der augusteischen Zeit.

Da die von Lukrez propagierten Lehren der epikureischen Philosophie (Verneinung göttlicher Vorsehung und göttlichen Eingreifens ins Weltgeschehen, Endlichkeit der Welt, Sterblichkeit der Seele) mit der christlichen Religion unvereinbar sind, setzt in der Spätantike ab Arnobius eine scharfe Distanzierung von Lukrez ein. Gleichzeitig wird (z. B. von Laktanz) Lukrez als rationalistischer Zeuge für die Albernheit des heidnischen Götterkults herangezogen. Die Häufigkeit der Lukrez-Zitate bei den christlichen Schriftstellern zeigt außerdem, dass diese die literarische Qualität von De rerum natura sehr wohl anerkannten.

Im Mittelalter war Lukrez in nahezu völlige Vergessenheit geraten, bis der Humanist Poggio Bracciolini 1417 in einem nicht näher benannten deutschen Kloster die womöglich letzte erhaltene Abschrift von De rerum natura entdeckte.[16] Nach dem Erscheinen der ersten gedruckten Lukrez-Ausgabe im Jahre 1473 setzte in der Renaissance eine rege Rezeption ein, in der Dichter lukrezische Themen in lateinischen Lehrgedichten behandeln (z. B. Aonio Paleario (hingerichtet 1570) De Animorum Immortalitate (1536), Scipione Capece (1480–1551) De Principiis Rerum (1546), Daniel Heinsius De Contemptu Mortis (1621)). Hochkonjunktur hatte die Produktion von lateinischen Lehrgedichten mit lukrezischen Themen auch im 18. Jahrhundert. Kardinal Melchior de Polignac dichtete einen Anti-Lucretius sive De Deo et Natura („Anti-Lukrez oder Über Gott und die Natur“), den Goethe sehr schätzte, und Bernardo Zamagna schrieb ein Lehrgedicht mit dem Titel De Nave Aeria („Das Luftschiff“) über die Montgolfière.

Auf Lukrez beriefen sich insbesondere die materialistischen Philosophen späterer Zeiten, so etwa de la Mettrie in der Mitte des 18. Jahrhunderts. Denis Diderot setzte in seiner Zur Interpretation der Natur (1754) einen einführenden Satz aus De rerum natura von Titus Lucretius Carus an den Anfang. Karl Marx, Mitbegründer des marxistischen Sozialismus, verfasste 1841 seine Dissertation zum Thema „Differenz der demokritischen und epikureischen Naturphilosophie“, worin er auf Lukrez Bezug nimmt. Auch Michel de Montaigne las ausgiebig in De rerum natura und markierte in der in seinem Besitz befindlichen Ausgabe viele Passagen und fügte Randbemerkungen an. In seinen Essays finden sich viele Zitate aus dem Werk Lukrez' oder er nahm auf dieses Bezug.

In seiner Wahrnehmungstheorie prägte Lukrez den für die postmoderne Philosophie einflussreichen Begriff des Simulakrums.

Erst im 19. Jahrhundert erschien, angeregt von Goethe, die erste deutsche Lukrez-Übersetzung durch den Freiherrn von Knebel. Fasziniert von Lukrez war auch Albert Einstein, der zu der Lukrez-Übersetzung von Hermann Diels ein Vorwort beisteuerte.

Unter den einzelnen Passagen von De rerum natura dürfte das Ende des Werks am intensivsten rezipiert worden sein. Die dort gegebene Beschreibung der Pest in Athen zu Beginn des Peloponnesischen Krieges, die ihrerseits eng an die des Thukydides (2,47–53) angelehnt ist, wird ebenso von Vergil, Ovid, Manilius, Seneca und anderen antiken Autoren imitiert wie von Autoren der Neuzeit (z. B. im Lehrgedicht Syphilis des Girolamo Fracastoro oder in Albert Camus’ La peste) rezipiert.

(Auszüge aus Wikipedia)

Quelle: www.wikipedia.org


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