Gott gibt es wohl nicht

Gott gibt es wohl nicht

Autor: Patrik Lindenfors

Übersetzer: Rainer Lippold

Illustrator: Vanja Schelin

Verlag: Alibri; Auflage: 1 (1. Oktober 2012)

Erschienen: 2012

97 Seiten

Es gibt christliche Kinder, muslimische Kinder, buddhistische Kinder. – Wirklich? Wohl eher nicht, meint Patrik Lindenfors, denn meistens wachsen Kinder einfach mit der Religion ihrer Eltern auf. Doch warum sollen Kinder nicht selbst überlegen, welcher Glaube ihnen zusagt? Dieses Buch hilft ihnen, sich über die verschiedenen Religionen zu informieren, und zeigt, dass es ein Stück Freiheit bedeuten kann, an gar keine höheren Wesen zu glauben.

Das erste Kinderbuch, das Kinder dabei unterstützt, ihren Glaubenszweifeln nachzugeben und sich vom Glauben ihrer Umwelt zu emanzipieren.

Probekapitel

Patrik Lindenfors: Gott gibt es wohl doch nicht

Russells Teekanne

Glaubst du, dass es irgendwo im Weltraum eine kleine Teekanne gibt, die um die Sonne
kreist? Die meisten glauben nicht, dass es eine solche Teekanne gibt. Aber woher wissen
wir das?

Die Antwort ist tatsächlich, dass wir nicht ganz sicher sein können, dass es eine solche
Teekanne nicht gibt. Da sie im Vergleich zu den Sternen und Planeten sehr klein ist und
niemand gleichzeitig überall hinschauen kann, können wir nie sicher sein, dass diese
Teekanne nicht existiert.

Allerdings wäre es recht ungewöhnlich, wenn es eine solche Teekanne gäbe. Hingegen
wäre es keineswegs verwunderlich, wenn es die Teekanne nicht gäbe.
So ist es auch mit Göttern. Wir können nicht ganz sicher sein, dass es sie nicht gibt.
Aber wenn es sie gäbe, hätte sie ja auch ganz einfach ein „Uns gibt es!“ ins Urgestein
schreiben können.

Es wäre also recht ungewöhnlich, wenn es Götter gäbe. Hingegen wäre es keineswegs
verwunderlich, wenn es sie nicht gäbe.

Ethik handelt nicht davon, Vorschriften zu befolgen

Ethik ist die Lehre davon, wie man sich verhalten soll, wie man ein guter Mensch wird.
Viele religiöse Menschen meinen, es reicht, Gottes Gebote zu befolgen. Sie möchten
eines Tages vor ihrem Gott stehen und dann sagen können: „Ich tat das, was du sagtest,
ich folgte deinen Vorschriften.“

Aber ist das eigentlich eine gute Ethik? Hängt das nicht davon ab, welche Vorschriften
man befolgt?

Aus der Geschichte kennen wir viele Beispiele dafür, dass es schlecht ist, einfach nur
Vorschriften zu befolgen. Zum Beispiel die Leute, die Hitler oder Stalin folgten. Sie
hatten auf die Frage nach ihrer Ethik die gleiche Antwort wie die religiösen Menschen:
„Ich befolgte nur die Vorschriften.“

Bestimmte religiöse Vorschriften sind schlecht

In der Bibel steht, dass man Steine auf ungehorsame Kinder werfen soll. Aus den Berichten über Mohammed erfährt man, dass man die Menschen, die den Islam verlassen,
köpfen soll. Aber sollte man solche Vorschriften befolgen? Sie sind ja böse und unterdrückerisch.

Nicht alle religiöse Vorschriften werden befolgt – nicht einmal von den Anhängern der
Religion selbst. Das ist nicht so merkwürdig. Denn auch wenn manche der Vorschriften
ganz gut sind, sind andere sehr eigenartig.

Wie entscheiden die Anhänger einer Religion aber nun, welche Vorschriften sie befolgen sollen und welche nicht? Sie machen es genau wie die Nichtgläubigen! Sie benutzen ihren gesunden Menschenverstand und hören auch auf das, was andere Menschen meinen.

Man soll keine schlechten Vorschriften befolgen. (Das ist doch eine gute Vorschrift?) Das
Wichtigste ist, dass man sich die Vorschriften ansieht und selbst nachdenkt.

Ethik ändert sich

Im wirklichen Leben des Alltags holt fast niemand seine Ethik aus den heiligen
Büchern. Deshalb wirft auch niemand mit Steinen nach ungehorsamen Kindern.
Was man als gute Ethik ansieht, hat sich im Laufe der Zeit geändert.

Heute meint fast niemand, dass es gut ist, Befehlen zu folgen, wenn man dabei selbst
stirbt. Früher taten das aber viele.

Früher hielt man Menschen als Sklaven. Das steht auch an mehreren Stellen in der
Bibel. Heute meinen wir, dass Sklaverei verabscheuungswürdig ist.

Heute behandeln wir in unseren Schlachtereien die Tiere ziemlich schlecht. Vielleicht behandeln
wir sie in der Zukunft besser?

Quelle: http://www.alibri-buecher.de/docs/probe089.pdf

Eine Rezension von Harry auf Amazon.de

Als Kind hätte ich mir so ein Buch sehnlichst gewünscht. Dann hätte ich Angstfrei schlafen können. Darauf gründeten auch meine ersten persönlichen Zweifel: Kann eine Religion gut sein, die
Kindern Angst macht? Und heute frage ich mich immer noch das gleiche und einiges mehr: Kann eine Religion gut sein, die Päderasten hervorbringt? Wohl kaum.

Alle Religionen sind so schlecht konstruiert das man laufend auf ihre Widersprüche stößt. Selbst innerhalb einer Religion gibt es unzählige unterschiedlicher Auslegungen der heiligen Schrift die sich in ebenso vielen Splittergruppen manifestieren - Orthodoxe, Ultra Orthodoxe, mit Käppi ohne Käppi... wie auch immer - eines haben sie meist gemeinsam - sie sind sich Spinnefeind.

Lustig anzusehen wenn sich Gottesmänner um den rechten Glauben prügeln - so geschehen in der Geburtskirche Jesu zwischen griechischen und armenischen Orthodoxen. [...] - das nur nebenbei...
Zurück zur Rezension: Dieses Buch zeigt die offensichtlichsten Widersprüche der Religionen auf. Im Grunde reduziert Patrik Lindenfors geläufige Thesen die gegen einen Gott sprechen in für Kinder nachvollziehbare Bilder. Die Philosophen Epikur und Bertrand Russel werden angesprochen aber auch Überlegungen zur religiösen Ethik. Am Beispiel des Kondom Verbotes wird veranschaulicht, das religiöse Ethik das Leid vermehren kann. Immer wieder ruft der Autor dazu auf, den eigenen Verstand zu benutzen und nicht einfach blind zu glauben.

Dieses Buch ist doppelt gut - denn es spricht eine klare und einfach verständliche Sprache. Die Vergleiche sind logisch und für jeden aus unserem Kulturkreis stammenden Menschen nachvollziehbar - nicht nur für Kinder - sondern auch für jene Erwachsene die aus Faulheit lieber glauben als nachdenken - hier gibt es ausreichend Stoff der auch für diese Klientel intellektuell zu bewältigen wäre...

Das einzige was mir an diesem Bändchen missfällt ist der milde Umgang mit den Religionen, die in keinem Verhältnis dazu stehen, was Kirchen den Menschen schon angetan haben... an Folter, Unterdrückung, Unterlassung, Diebstahl, Ausbeutung, Teufelsaustreibung, Verdummung, Missbrauch...
Dieses Buch ist viel zu milde angesichts unzähliger Hasspredigten die jemals von Kanzeln gepredigt wurden - zu Kriegen und Mord im Namen eines Gottes XY aufriefen, zu Steinigung, Kreuzigung, zu Selbstmord Attentaten.

Dieses Büchlein ist viel zu tolerant im Vergleich zu jener Intoleranz, die zwangsläufig in jede Religion eingespeist ist - die von sich behauptet: Es gibt nur einen Gott - nämlich jeweils den eigenen...
Aber es ist ja ein Buch für Kinder, sorry - das habe für einen Moment vergessen. Also - diesen netten Ratgeber kann man getrost zu Weihnachten verschenken, da erschrickt noch nicht mal das Christkind .... zwinker ;-)

Quelle: http://de.richarddawkins.net/articles/gott-gibt-es-wohl-doch-nicht