Ateizm Derneği

Ateizm Dernegi (zu deutsch: Atheismus-Verein) ist eine im April 2014 gegründete NGO für die Bekanntmachung des Konzeptes des Atheismus und dient als Beistand für aufgrund ihrer Ansichten verfolgte Atheisten in der Türkei. Vorsitzender der zurzeit elfköpfigen Organisation ist Tolga Inci, der Sitz liegt in Kadiköy, Istanbul. Sie ist die erste rechtlich anerkannte türkische atheistische Organisation, zugleich auch eine der ersten in der islamischen Welt. Sie ist von der EU als repräsentative Organisation der türkischen Atheisten anerkannt.

Die Islamisierungstendenzen unter Recep Tayyip Erdogan und seine Gleichsetzung im Ausspruch "Trotz der Linken und Atheisten. Das sind Terroristen" bezüglich seiner Durchsetzung eines Bebauungsplanes trotz Studentenprotesten in Ankara sollen unter anderem ein Anlass zur Gründung der Organisation gewesen sein.

Die Gründung des Vereins soll bürokratisch reibungslos gelaufen sein, jedoch hat der Verein aufgrund Beschimpfungen und Drohungen Überwachungskameras, Telefon-Aufzeichnungsgeräte und einen Panik-Knopf für schnelleres Erreichen der Polizei installiert.

(Auszüge aus Wikipedia)

Quelle: www.wikipedia.org

Ateizm Dernegi – wir sind nicht allein von Evelin Frerk (hpd.de/2015)

Wir sind kein Vieh! von Arzu Toker (ibka.org/2016)

"Der Mut, in der Türkei Atheist zu sein" (blickwechsel-tuerkei.de/2017)

Situation von nichtgläubigen Menschen in der Türkei

Jüngst wurde der türkische Atheistenverein Ateizm Dernegi vom Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) mit dem Sapio 2017 ausgezeichnet, da er sich als erster Atheistenverein im Nahen Osten für die Rechte von Atheisten einsetzt. hpd-Redakteurin Daniela Wakonigg sprach mit Zehra Pala, der Vorsitzenden von Ateizm Dernegi, über die Situation von nichtgläubigen Menschen in der Türkei.

hpd: Frau Pala, die Türkei ist offiziell laizistisch und war bis vor einiger Zeit tatsächlich ein mehr oder weniger säkulares Land. Wie entwickelt sich das Land aktuell?

Zehra Pala: Es verwandelt sich in einen islamischen Staat. Bedauerlicherweise. Für Säkulare, Laizisten, Non-Theisten, Atheisten und Nicht-Gläubige ist es schwierig, dort zu leben. Aber nicht nur für die. Auch wenn Sie Kurde sind oder Armenier oder Alevit oder nicht-sunnitischer Muslim, können sie dort nicht in Frieden leben.

hpd: Wie genau muss ich mir das Leben in der Türkei als Atheist aktuell vorstellen?

Zehra Pala: Ich würde Ihnen auf jeden Fall raten, es nicht auszuprobieren. Es ist wirklich hart. Sie wissen, was im letzten Juli passiert ist. [Der Putschversuch gegen Erdogan und dessen Niederschlagung – Anm. d. Übers.] Die Leute gingen auf die Straße und es gab ein bekanntes Video, wo jemand sagte: "Wir sind hier, weil unsere Regierung will, dass wir auf die Straße gehen, um die laizistischen Hunde zu töten". Und wir sind schlimmer als laizistische Hunde. Wir sind Atheisten. Sie riefen "Allahu Akbar, Allahu Akbar, Allahu Akbar" – 24 Stunden am Stück. Können Sie sich das vorstellen? Wie kann es sein, dass Menschen auf die Straße gehen und sagen, dass sie die laizistischen Hunde erschlagen werden? Warum trauen sie sich das? Weil sie wissen, dass bestimmte Menschen sie beschützen werden und dass ihnen nichts geschehen wird. Aber wenn Sie rausgehen auf die Straße und sagen "Ich will ein laizistisches Land", dann kann man sie ins Gefängnis stecken. Aber wenn Sie sagen "Allahu Akbar, bringt sie um!", dann passiert Ihnen nichts.

hpd: Haben Sie selbst in der Türkei schon negative Erfahrungen als Atheistin machen müssen?

Zehra Pala: Vor ungefähr zwei Jahren sagte ich im Fernsehen, dass ich stolz darauf bin, Atheistin zu sein, dass das nichts ist, weswegen man sich schämen müsste und dass Menschen keine Angst haben sollten auszusprechen, dass sie Atheisten sind. Danach rief mich meine Chefin an und sagte: "Die kennen jetzt dein Gesicht und wir haben dein Bild auf unserer Webseite. Wenn die herausfinden, dass du für uns arbeitest, wird das für uns schlecht sein". Sie sagte: "Ich mag dich, aber du kannst nicht mehr für uns arbeiten". Seitdem habe ich keine neue Arbeit gefunden. Unserem vorherigen Präsidenten ging es nicht anders. Er hat auch seinen Job verloren. Und er sagte: "Es tut mir fürchterlich leid, aber ich brauche dringend einen Job, darum muss ich alle Kontakte zum Verein kappen." Ich habe inzwischen mein Haus verkauft und lebe jetzt von dem Geld. Ja, man muss einen Teil seines Lebens für die gute Sache aufgeben. Vielleicht bin ich ein Träumer, aber ich bin glücklich mit dem, was ich mache. Ich bereue nichts. Irgendjemand muss diese Arbeit schließlich machen. (Auszug)

Das Interview wurde auf Englisch geführt.

Übersetzung: Daniela Wakonigg

Quelle: "Es sollte keinen Mut erfordern müssen, Atheist zu sein" (hpd.de/2017)

Zehra Pala, Ateizm Dernegi - Atheismus in der Türkei

Gepostet von: IBKA

Veröffentlicht am 02.02.2017

International Atheist Convention
Give Peace A Chance!
Säkularisierung und globale Konflikte
22. - 24. Mai 2015
Köln Comedia Theater

Internationaler Bund der Konfessionslosen und Atheisten
Atheist Alliance International
Giordano-Bruno-Stiftung

Quelle: www.youtube.de