Freidenkerbund Österreichs

DER (NEUE) FREIDENKERBUND

Der traditionsreiche Freidenkerbund Österreichs - immerhin hat er 2017 sein 130jähriges Bestehen gefeiert - hat sich Ende Juni 2018 in "Humanistischer Verband Österreichs" umbenannt und beabsichtigt, sich in Zukunft weniger der Laizität und der Religionskritik, als Fragen des Humanismus zu widmen. Das ist natürlich jedermann unbenommen, wenn auch "Humanismus" ein überaus schwammiger Begriff ist und kaum jemand von sich sagen wird, kein Humanist zu sein.

Wir haben daher den Freidenkerbund neu gegründet - mit seinem bisherigen Vereinszweck. Dieser sei hier aus den Statuten zitiert:

Der Verein, dessen Tätigkeit nicht auf Gewinn gerichtet ist,

  1. vertritt Menschen ohne religiöses Bekenntnis, die sich demokratischen und humanisti­schen Grund­sätzen verpflichtet fühlen, organisatorisch und in ihren Rechten;
  2. wirkt an der Verbreitung eines wissenschaftlich-aufklärerischen Weltbildes mit, ebenso an der Förderung einer nicht­-religiösen, rational begründeten WeItsicht, die sich auf ein Denken frei von Dogmen und Tabus stützt;
  3. tritt für eine Trennung des Staates von religiösen Institutionen im Sinne der religiösen Neutralität und der demokratischen Grundverfassung des Staates (Laizität) ein;
  4. beabsichtigt religionsfreie Einrichtungen und soziale Dienstleistungen aufzubauen und zu betreiben.

Quelle: http://www.diefreidenker.at/

Aus dem Programm

wie Sie wissen/Ihr wisst, hat der frühere Freidenkerbund im Juni 2018 beschlossen, sich fortan als „Humanistischer Verband Österreich“ (HVÖ) zu bezeichnen. Der neu gegründete Verband steht der FreidenkerInnen-Bewegung leider kritisch gegenüber und vertritt in wesentlichen weltanschaulichen Fragen auch andere Standpunkte.

Wir haben, nicht zu letzt aus Achtung vor der langen, über 130jährigen Geschichte unserer Bewegung, den Freidenkerbund neu gegründet und wollen in dieser Tradition die Arbeit, die unsere Vorfahren begonnen haben, weiterführen und mit Euch gemeinsam weiter entwickeln. Als Logo verwenden wir weiterhin das Stiefmütterchen, das traditionelle Symbol des Freidenkertums. Im Französischen heißt diese Blume „Pensée“, was auch „(gute) Gedanken“ bedeutet.

Was nun? Zunächst – kurz gefasst – die drei Schwerpunkte, die von Anfang an im Mittelpunkt des Engagements der österreichischen Freidenker standen und heute nach wie vor Gültigkeit haben.

(1) An der Wiege auch der österreichischen Freidenker stand die Aufklärung. Sie hat, wie ein Blick auf die weltweite gesellschaftliche Entwicklung zeigt, nicht nur nichts an Bedeutung verloren - die Ideen, Prinzipien und Leitbilder der Aufklärung als Symbole für Freiheit und Demokratie sind heute wichtiger sind als je zuvor.

(2) Im Mittelpunkt der Aufklärung standen Wissen und Bildung. Beides ist auch den österreichischen Frei-denkern und Freidenkerinnen ein wichtiges Anliegen und steht daher im Mittelpunkt ihres Engagements. Das kam schon am Beginn unserer Bewegung in den regelmäßigen Veranstaltungen zum Ausdruck, bis zum Verbot der Freidenker im Jahr 1933. Nach 1945 gab es zwar immer wieder erfolgreiche Jahre, doch häufig scheiterten die Freidenker schließlich an den österreichischen gesellschaftlichen Gegebenheiten und nicht zuletzt am Versuch, sich bis zur Beliebigkeit zu arrangieren.

Und die letzte Flucht in einen noch beliebigeren Humanismus mutet wie ein Treppenwitz der Geschichte an, denn bei allem Facetten-Reichtum des Humanismus war die Aufklärung eine positive Weiterentwicklung der humanistischen Weltsicht und seines Bildungsideals, weil Naturwissenschaften eine immer größere Rolle spielten. Warum also zurück statt nach vorne?

Der große Erfolg der aufklärerischen Enzyklopädisten in den folgenden Jahrhunderten mit ihrer Bandbreite an Wissen und Bildung – heute nicht zuletzt vertreten durch Wikipedia als moderne „Enzyklopädie“ – beweisen das anhaltende Bedürfnis und Interesse an inhaltlichen Bandbreite, die weit über die heute besonders propagierte „Ausbildung“ hinausgeht. 

(3) Entgegen einem weit verbreiteten Vorurteil waren die Aufklärer nicht gegen die Religion an sich, sondern für Religions k r i t i k  als wichtiger Bestandteil von Kritik an jeder Art von Ideologe (Ideologiekritik). Sie traten vielmehr für eine Trennung von Staat und Kirche ein (Laizität), wie sie in Frankreich seit 1905 bis heute in der Verfassung verankert ist. Seither haben viele, auch nicht-europäische Länder, diese Position in unterschied-lichen Ausformungen übernommen.

Laizität bedeutet, dass Religion ausschließlich Privatsache ist. Religionsfreiheit wird im Rahmen einer demokratischen staatlichen Verfassung gelebt, daher aber ohne Konkordate oder Gesetze, die Religionen in öffentlichen Bereichen der Gesellschaft staatliche Privilegien einräumen (z. B. durch staatlich finanzierten Religionsunterricht und religiöse Symbole an öffentlichen Schulen). Religionsfreiheit bedeutet, dass jede Religionsgemeinschaft ein privater Verein ist, der sich über Mitgliedsbeiträge und Spenden selbst finanzieren muss. Hätte Österreich die Laizität in der Verfassung verankert, wäre der Islam als Religion mit allen seinen Symbolen in öffentlichen Institutionen nie zur Diskussion gestanden.

Für diese Trennung von Kirche und Staat haben sich auch die österreichischen Freidenker von Anfang an eingesetzt. Dass sie im katholischen Habsburgerreich und auch in der Ersten Republik scheitern mussten, war unter den damaligen politischen Gegebenheiten verständlich. Dass sie auch nach 1945 gescheitert sind, lag in erster Linie an der österreichischen Gesellschaft, wo es auch zur Wiedereinführung eines Konkordates kam, aber auch daran, dass sich Freidenker erneut lieber arrangieren wollten, anstatt ihre Positionen konsequent und sachlich zu vertreten.

Quelle: http://www.diefreidenker.at/home/Neubeginn-und-Weiterleben/

Geschichte

Freidenker, weltanschauliche Bewegung atheistischer bzw. areligiöser Richtung, seit 1887 in verschiedenen Vereinen organisiert, die unter anderem für die Zulassung der Feuerbestattung eintraten. 1918 entstand im Rahmen der Arbeiterbewegung der "Österreichische Freidenkerbund" (Abzeichen: Stiefmütterchen) auf marxistischer Basis, der der Sozialdemokratie nahe stand, in zirka 300 Ortsgruppen rund 45.000 Mitglieder umfasste und Kirchenaustrittspropaganda betrieb (monatliches Organ "Der Freidenker"), die er besonders nach der Julirevolte 1927 intensivierte. Er wurde 1933 verboten. 1948 wiedergegründet, ist er nun parteiungebunden und enthält sich jeder Wirksamkeit in der Öffentlichkeit. Ebenso die 1947 gegründete "Freigeistige Vereinigung Österreichs", die weltanschaulich neutral ist. - 1925-33 hatte in Wien die kommunistisch beeinflusste "Internationale proletarischer Freidenker" ihren Sitz.

Quelle: http://www.aeiou.at/aeiou.encyclop.f/f732217.htm