Der dressierte Mann. Das polygame Geschlecht. Das Ende der Dressur

Der dressierte Mann. Das polygame Geschlecht. Das Ende der Dressur

Autor: Esther Vilar

Herausgeber: dtv

Erschienen: 1971, 1974, 1977

Vilar hat den Emanzipations-Spieß umgedreht: Herr im Haus ist die Frau. Sie dressiert den Mann mit heimtückischen Tricks zum unterwürfigen Sklaven und schickt ihn dann zum Geldverdienen hinaus ins feindliche Leben. »Als Gegenleistung« stellt sie ihm »ihre Vagina in bestimmten Intervallen zur Verfügung «. So schwungvoll bissig, doch nicht ganz ohne Charme, löst Esther Vilar das Uralt-Rätsel um den Mythos Frau und entlarvt ihre Geschlechtsgenossinnen als hartgesottene Ausbeuterinnen, die allein aus ihrer Anatomie gehörig Kapital schlagen (Der Spiegel, Hamburg). Ein brillant geschriebenes, lustiges, provozierendes Buch (Neue Ruhr Zeitung, Essen). Esther Vilar reizt in vielen ihrer ketzerischen Gedanken zum Widerspruch. Aber ehrlich - ja, ehrlich kann man ihr nicht widersprechen (Abendzeitung, München). Man nennt sie den »Karl Marx der Männer« (Kölner Stadtanzeiger). Den Männern zugeflüstert: was die Vilar vom Verhältnis der Frauen untereinander schreibt, ist unbedingt lesenswert (Der Tagesspiegel, Berlin). Die erste Männerrechtlerin der literarischen Szene (Titel, Thesen, Temperamente - Deutsches Fernsehen). Mit Wagnermusik hat die Vilar gemeinsam: der Zuhörer kann sich ihr gegenüber nur mit Not neutral verhalten. Entweder ist er für oder gegen sie. Angesteckt vom Zorn der Autorin, kann der Leser bei der Lektüre lediglich zum Vilaristen oder zum erklärten Feind werden (Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt, Hamburg). Wenn es noch Leute gäbe, die zum Vergnügen lesen, müßte dieses Buch ein Bestseller sein (Sebastian Haffner). Esther Vilar wurde 1935 in Buenos Aires geboren; ihre Eltern waren in Deutschland emigriert. Sie vagabundierte durch halb Amerika, Afrika und Europa - als Sekretärin, Fabrikarbeiterin, Verkäuferin, Dolmetscherin und Vertreterin. Nach Abschluss eines Medizinstudiums kam sie mit einem Stipendium nach Deutschland studierte Soziologie und arbeitete als Assistenzärztin in einem Krankenhaus.

Rezensionen (Ferrum)

Esther Vilars „Trilogie“ (Der dressierte Mann, Das polygame Geschlecht, Das Ende der Dressur) ist das Scharfsinnigste, Originellste, Objektivste und Konstruktivste, das ich bislang zum chronischen Thema Mann/Frau gelesen habe.

Während Autoren wie Beauvoir, Schwarzer, Bornemann lediglich engagierte Ärzte darstellen, die sichtbare Symptome nur beschreiben, ist Vilar die Chirurgin, die zum Skalpell greift, um das Übel zu beseitigen.

Bemerkenswert ist, dass sie keine einseitigen Schuldzuweisungen generiert, sondern die beiderseitigen Abhängigkeiten berücksichtigt und versucht, Lösungsvorschläge zu unterbreiten. Diese darf man dann als Leser selbst kritisch beleuchten.

Deutlich ist zu spüren, dass Vilar die Emanzipation von Frau UND Mann favorisiert. Damit wirkt sie auf mich geradezu erleuchtend. Der Autorin gelingt es, die Frau aus ihrer tradierten Opferrolle zu holen und den Mann von der absoluten Täterrolle zu befreien.

Doch ob die Emanzipation je wirklich gelingen wird, ist fraglich, denn die Frau scheint von ihrer „Unterwürfigkeit“ zu profitieren, indem der Mann zum „Ritter“ wird, dem es schmeichelt, die Frau zu beschützen und sie vermeintlich zu beherrschen. Würde die Frau autark, so müsste sie selbst raus in den harten Lebenskampf. Und ganz offensichtlich ist ihr gerade das schlicht und einfach zu anstrengend. Lieber scheint sie den Mann rauszuschicken, der sich in dieser wichtigen Position anschließend selbst als privilegiert definiert. Welchen Grund hätte er, der Frau mehr „Power“ zuzugestehen, wenn dadurch seine eigene schwände?