Michel Onfray

Michel Onfray (* 1. Januar 1959 in Argentan, Normandie) ist ein französischer Philosoph, Schriftsteller und Begründer der Université populaire de Caen.

Leben

Onfray wurde in die Familie eines Landarbeiters in der Normandie geboren. Er hat einen jüngeren Bruder. Aufgrund zerrütteter familiärer Verhältnisse wurde er im Alter von zehn Jahren in eine von Salesianern betriebene Lehranstalt gegeben, wo er auf einen handwerklichen Beruf vorbereitet werden sollte. In dieser Einrichtung, deren Regiment er als sehr leidvoll erfuhr (er nennt es „Terror der Pädophilie“), blieb er vier Jahre. Nach weiteren drei Jahren in anderen Internaten suchte er „das Weite“ und begann ein Studium der Philosophie, das er mit der Promotion abschloss.

Seit 1983 unterrichtete Onfray an einer höheren berufsbildenden Schule in Caen philosophische Fächer. 1989 begann er mit der Veröffentlichung philosophischer Bücher, die ihn bald so populär und finanziell unabhängig machten, dass er 2002 aus dem Staatsdienst ausscheiden und die Université populaire de Caen, eine freie Volksuniversität, gründen konnte. Onfray gibt dort Kurse in einem mehrjährigen Studiengang, die die Geschichte der Philosophie seit ihren Anfängen so darstellen, dass die im normalen akademischen Betrieb meist ignorierten oder marginalisierten hedonistischen Philosophen im Vordergrund stehen. Das Resultat des ersten Studiengangs wurde in einer 9-bändigen Contre-histoire de la philosophie (2006–2013) veröffentlicht.

Onfray war seit 1977 liiert mit Marie-Claude Ruel, die 2013 infolge einer Krebserkrankung starb.

Position

Michel Onfray begann seine publizistische Tätigkeit 1989 mit der Wiederentdeckung des vergessenen französischen Philosophen Georges Palante, der Anfang des 20. Jahrhunderts mit seinen Veröffentlichungen als ein Linksnietzscheaner hervortrat. Onfray gab die wichtigsten Schriften Palantes neu heraus und schrieb eine Monographie über ihn. Onfray sah sich als Fortsetzer des Denkens Palantes und wollte einen zeitgemäßen Linksnietzscheanismus begründen. Er schrieb zahlreiche Bücher in diesem Geiste, von denen einige sowohl in Frankreich als auch durch Übersetzungen große Beachtung fanden. Sein größter Bucherfolg bisher war 2005 der Traité d'athéologie. Physique de la métaphysique, von dem in wenigen Monaten mehr als 200.000 Exemplare verkauft wurden und bereits Übersetzungen in mehrere Sprachen erschienen sind.

Onfrays Denken schließt an die antike epikureische und hedonistische Philosophie an und verfolgt ihre zeitweise sehr dünne Traditionslinie bis in unsere Zeit (vgl. seine Contre-histoire / Gegengeschichte der Philosophie). Auf dieser Grundlage übt er Kritik an jeglicher transzendentaler Philosophie und an den Religionen, insbesondere an den monotheistischen. Onfray vertritt die Ansicht, dass der Glaube an Gott nicht nur nicht hilfreich, sondern sogar schädlich und gefährlich sei. Dagegen setzt er eine erneuerte Philosophie des Hedonismus.

Einige Rezensenten loben Schärfe und Stil seiner Schriften. Andere kritisieren, dass er im Grunde nichts Neues bringt („Onfray rennt zumindest mit Teilen seines Buches offene Türen ein“, schreibt Peter Hölzle), aber auch, dass seine „Polemik“ (Kai Köhler) zu wenig differenziert sei.

Politisch ist Onfray Laizist und „libertärer Kapitalist“, Bezug nehmend auf Theoretiker wie Pierre-Joseph Proudhon. Bei den französischen Präsidentschaftswahlen 2002 votierte er für Olivier Besancenot, den Kandidaten der trotzkistischen Ligue communiste révolutionnaire. Außerdem unterstützte er die Front de gauche als linke Sammlungsbewegung. Seit seiner genaueren Beschäftigung mit Albert Camus um 2010 änderte Onfray seine politische Position. Er betrachtet sich weiterhin als „links“, kritisiert aber als Vertreter eines „zeitgemäßen Postanarchismus“ scharf Positionen der verschiedenen linken Parteien, etwa die Gendertheorie, die Zustimmung zur Europäischen Union – er kritisiert vor allem den Vertrag von Maastricht scharf – oder die unkritische Haltung zum Islam. Dabei geht er so weit, dass er auch Argumenten von Autoren der Rechten wie Alain de Benoist oder Éric Zemmour zustimmt, wenn er sie für triftig hält. Anlässlich der Präsidentschaftswahl 2017 erklärte er, seine Stimme nicht abzugeben, weil ihn keiner der Kandidaten überzeugt habe.

(Auszüge aus Wikipedia)

Quelle: www.wikipedia.de


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