Paul C. Jaeger

Paul C. Jaeger ist ein Pseudonym, das seine Berechtigung und seinen Sinn nun immer noch darin findet, dass die Käufer und Leser meiner Kinderbücher nicht irritiert werden und nicht fälschlicherweise meine SF- oder Kriminalromane kaufen. Kinderbücher und Homepage finden sich unter Peter Feldmann.

Der Essay "500 000 gottlose Jahre" liefert einige Einblicke in meine Kindheit und Erziehung. Ergänzen könnte ich, dass ich zur Literatur gekommen bin, weil meine Mutter mich dankenswerterweise früh in die Stadtteilbibliothek mitgenommen hat, wo für meine Altersgruppe, 6-12 Jahre, ein zwei Meter Regalbrett reserviert war, das von umsichtigen Bibliothekarinnen immer neu bestückt wurde. Heute noch rieche ich Waschbenzin so gern, weil es der aufregende Geruch von Abenteuer und Spannung war, denn die reinkommenden Bücher wurden von einer Mitarbeiterin zunächst mit einem Tüchlein, das in Waschbenzin getränkt war, abgerieben. Man könnte sagen, vielleicht war das notwendig. Man könnte auch sagen, ja, so ein Stadtteil war das.

Sobald ich zum Gymnasium ging, eroberte ich mir die Stadtbücherei. Prägend für meinen Lesegeschmack waren auch Tante Anni und Onkel Fritz in Hamburg, denn sie gaben mir als 11jährigem, als ich nichts zu lesen hatte, zwei Bücher aus der Leihbücherei, einen SF-Roman und einen Thriller. Sechs oder sieben Jahre später, die Titel hatte ich mittlerweile vergessen, kaufte ich "Die Lady reitet der Teufel" von Peter O'Donnell und noch etwas später im Antiquariat den ersten Band der ZBV-Serie - um festzustellen, dass genau das die Bücher von damals gewesen waren. Nach all den Jahren hatte ich noch einzelne Formulierungen und spannende Konstellationen im Kopf.

Wells´ Zeitmaschine lief im Fernsehen, als ich 15 oder 16 war, ich wollte den Roman lesen, aber die Stadtbücherei hatte ihn nicht. Ich fand nur einen Auszug, der mich noch heißer auf das Buch machte. Also schrieb ich an Rowohlt, die das Werk zuletzt verlegt hatten und bekam die traurige Auskunft, dass eine Neuauflage nicht vorgesehen sei und sie mir nicht helfen konnten. Die Buchhändler vor Ort sahen keine preiswerte Möglichkeit mir zu helfen, eBay war noch weit weit weg, ich sollte doch in die Nachbarstadt fahren und ins Antiquariat gehen. Dazu kam es nicht. Die Zeitmaschine fand sich schließlich auf dem Trödelmarkt. Mittlerweile las ich aber auch Frederik Pohl, Larry Niven, Stanislaw Lem, Dick usw.

Im Krimibereich sammelte ich Sjöwall-Wahlöö, van de Wetering, Richard Stark (Donald Westlake), Elmore Leonard, Gisbert Haefs und später die Ruhrgebietskrimis des Grafit-Verlags.

Mitte 20 aber ging mir im Urlaub in Brügge plötzlich der Lesestoff aus. Katastrophe! Das Einzige, was mir in der niedlichen Buchhandlung am Dom passte, war der berühmte Roman von Philip K. Dick "Do Androids Dream of Electric Sheep?", später als "Blade Runner" verfilmt. Den musste ich haben, auch, wenn ich außer der Schullektüre noch nie einen kompletten Roman auf Englisch gelesen hatte. Die ersten Seiten musste ich dann auch bis zu achtmal lesen, aber dann war ich plötzlich drin. Seitdem kaufe ich meine Lieblingsautoren aus Amerika nur noch im englischen Original.

Im Studium konnte ich einen Schein machen mittels eines Vortrags über Stanislaw Lem und seine Theorie zur Phantastik. Ich weiß heute noch, dass meine Eltern etwas ungehalten waren, da ich vom Ferienjob kein Geld mehr übrig hatte und ein paar teure Bücher kaufen musste, die ich in der Eile nicht über irgendeine Ausleihe bekommen konnte, z.B. "Summa Technologiae" und "Phantastik und Futurologie". Pikanterweise machten mir auch hier Buchhändler kaum Hoffnung die Bücher bekommen zu können, doch Bücher Krüger am Westenhellweg, die ich eher zufälligerweise aufsuchte, weil ich sowieso in Dortmund war (an den Grund kann ich mich beim besten Willen nicht erinnern) hatte ALLES von Lem auf den Tischen und in den Fenstern der Passage ausliegen. Ich hatte einen heftigen Adrenalinstoß, den ich halbwegs vorbeigehen lassen musste, bis ich mit den Angestellten kommunizieren konnte. Ich sammelt ein, was ich brauchte, bezahlte mit Mühe und Not die horrende Rechnung - es waren ja immerhin gebundene Ausgaben - und sagte, ich sei natürlich begeistert, aber wieso sie hier all die Bücher hätten, die ich woanders nicht bekommen konnte. Die Antwort: "Lem liest hier heute Nachmittag. Wenn Sie etwas Zeit haben ..."

Ich Idiot hatte keine Zeit. Ich hatte nur Hunger und kein Geld mehr und wollte nicht sechs Stunden warten, sondern nach Hause, und dachte, die Gelegenheit ergibt sich schon nochmal in deinem Leben - ja Pustekuchen, das tat sie nun mal nicht. So also verpasste ich unverzeihlicherweise Stanislaw Lem, der 2006 gestorben ist. Und die wunderbare Buchhandlung Krüger musste wegen der Konkurrenz der Mayerschen ein paar Häuser weiter am 24. Januar 2009 schließen. Räusper. Hust.

Das ist alles lange her. Heute, nach Jahrzehnten des Sammelns, liegt unser Dachboden voll mit Krimis und SF, so dass es kein Durchkommen mehr gibt, was natürlich ein unmöglicher Zustand ist.

Ältere Krimis aus den 50ger - 70ger Jahren habe ich schon mal vor zehn Jahren bei eBay versteigert, es waren 800 Stück, ein Stapel Kartons, der in den Fiesta der Abholer nur reinpasste, weil sie die Rückbank rausgenommen hatten! Auf dem Dachboden aber merkt man kaum, dass da was fehlt.

Mit dem Schreiben ist es bei mir ein wenig so, wie Tucholski es in "Schloss Gripsholm", wenn ich es richtig erinnere, formuliert: "Das bisschen Prosa zur Unterhaltung schreib ich mir auch selber." Leider sind ja Westlake und Robert B. Parker mittlerweile verstorben und mit den "Unversöhnlichen Minuten" habe ich mir ganz einfach die Art Krimi geschrieben, wie ich sie gerne lesen würde. Und ich habe mir selber dabei die Fragstellung beantwortet, ob man Figuren wie Spenser oder Hawk überhaupt in Deutschland ansiedeln und agieren lassen kann.

Und was soll ich sagen:

Man kann!

Viel Spaß beim Lesen!

Paul C. Jaeger, 2016


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