Die Folter

Die Folter

Eine Enzyklopädie des Grauens

Autor: Horst Herrmann

Herausgeber: Eichborn

Erschienen: 2004

Eine Enzyklopädie des Grauens - Foltermethoden und Foltergeräte aus Geschichte und Gegenwart.In Westeuropa ist sie heute glücklicherweise verschwunden: Die Folter. Nur noch als Schicksal von Flüchtlingen aus anderen Weltgegenden taucht sie in unserem Alltag auf. Es ist allerdings gar nicht lange her, da wurden grausame Methoden zum Erzwingen von Geständnissen oder zum Quälen von Gegnern auch in unseren Breiten regelmäßig angewandt.Horst Herrmann hat ein vollständiges Lexikon der historischen und aktuellen Foltermethoden erstellt. Er erläutert die Vorgehensweise der Folterknechte und Henker ohne jede Sensationshascherei, in nüchternem und knappem Ton, und zitiert historische Quellen und Beispiele. Das Ergebnis ist nicht mehr, aber auch nicht weniger als ein historisches Grundlagenwerk.

Leseprobe

"Am 5. Januar 1757 sticht F. R. Damiens auf König Ludwig XV. von Frankreich ein. Dieser wird kaum verletzt, nur seine Haut ist geritzt; die Rache fällt freilich schrecklich aus, der Attentäter wird zum Tod durch Vierteilen verurteilt. Die Justiz Seiner Majestät hat den verworren wirkenden Damiens bereits foltern lassen; die zugezogenen Ärzte raten, die Folter nicht allzu sehr auszuweiten, damit Damiens ihr nicht erliege. Seine Beine versagen bereits den Dienst, er kann nicht mehr stehen oder gehen. Doch ungerührt nimmt die offizielle Vergeltung ihren Lauf: Zu Beginn der Hinrichtung taucht der Henker die Hand, in der Damiens das Messer gehalten hatte, in eine Pfanne brennenden Schwefel, bis sie verkohlt. Dann reißt ein Helfer mit einer glühenden Zange Fleischstücke aus Armen, Brust, Bauch und Schenkeln des Verurteilten, legt nach jedem Riß die Zange wieder in das Feuer und gießt flüssiges Harz oder Blei in die Wunde. Damiens stößt entsetzliche Schmerzensschreie aus. Schließlich der eigentliche Vollzug der Todesstrafe: Der Delinquent soll mit Hilfe von Pferden gevierteilt werden. Die Tiere sind an seine Arme und Beine gebunden und ziehen in vier Richtungen. Doch der Körper widersteht mehreren Versuchen. Da durchtrennt der Scharfrichter die Sehnen an den Beinen und in den Achselhöhlen des Damiens. Die Maßnahme hat Erfolg: Die Beine lösen sich beim Anrucken der Pferde vom Rumpf, die Arme folgen knirschend, und endlich erreicht die Gerechtigkeit des Königs ihr Ziel. Der Leichnam und die abgerissenen Extremitäten des Attentäters landen auf dem Scheiterhaufen. Alles nur Vergangenheit? Natürlich; in der neueren Geschichte der westlichen Welt wurde die Folter im Strafverfahren ebenso abgeschafft wie in vielen Ländern die Todesstrafe ..."