Der Gotteswahn

Der Gotteswahn

Autor: Richard Dawkins

Herausgeber: Ullstein

Erschienen: 2006

Der Gotteswahn (englisch The God Delusion) ist der Titel einer 2006 erstmals bei Houghton Mifflin im englischen Original erschienenen Monografie Richard Dawkins’, in der er sich gegen theistische Religionen und insbesondere gegen die drei abrahamitischen Weltreligionen wendet. Dawkins’ zentrale Thesen sind, dass jeder Glaube an Gott in all seinen Formen irrational sei und dass Religion in der Regel schwerwiegende negative Auswirkungen auf die Gesellschaft habe Das Buch war weltweit ein großer Verkaufserfolg und gilt seither als einer der Haupttexte des „Neuen Atheismus“.

Gliederung des Buches

Kap. 1: Ein tief religiöser Ungläubiger

In diesem Kapitel differenziert Dawkins die Aussagen verschiedener Naturwissenschaftler, z. B. Sagan, Weinberg und Hawking, zu ihrer persönlichen Einstellung zur Religion und unterstreicht dies mit entsprechenden Zitaten. Er legt dar, dass etwa Albert Einstein nicht an einen (persönlichen) Gott geglaubt habe, wie oft unterstellt wurde, sondern den Begriff metaphorisch für das von ihm bewunderte Universum gebraucht habe.

Hier differenziert und erläutert Dawkins auch die Begriffe Theismus, Deismus und Pantheismus. Im Weiteren spricht er den seines Erachtens unverdienten Respekt an, den Religionen in vielen Gesellschaften genießen oder beanspruchen. Dabei zitiert er H. L. Mencken:

„Wir müssen die Religion des Anderen respektieren, aber nur in dem Sinne und dem Maße, wie wir seine Theorie respektieren müssen, dass seine Frau schön ist und seine Kinder klug.“

Kap. 2: Die Gotteshypothese

Hier gibt Dawkins eine kurzgefasste Übersicht über Polytheismus, Monotheismus und Agnostizismus und erstellt eine Skala mit sieben graduellen Überzeugungen, die von überzeugten Theisten, der „nicht [glaubt], sondern weiß, dass es einen Gott gibt“, bis zum überzeugten Atheisten reicht, der „weiß, dass es keinen Gott gibt.“ In der Mitte liegt der reine Agnostiker, der „weiß, dass [er] nicht wissen kann, ob es einen Gott gibt oder nicht.“ Dawkins schätzt sich selbst als De-facto-Atheisten ein: „Ich schätze die Wahrscheinlichkeit der Existenz Gottes als sehr gering ein und lebe mein Leben entsprechend.“

Anschließend schreibt er, dass die USA ursprünglich als säkularer Staat gegründet worden seien, heute aber als der am stärksten religiös geprägte Staat der westlichen Welt anzusehen seien. Dies zeige sich z. B. in der Intoleranz gegenüber Atheisten bei großer Toleranz gegenüber beliebigen religiösen Bekenntnissen und Sekten. Der ebenfalls damit verbundenen Ablehnung der Evolutionstheorie Darwins durch christliche Kreationisten werde von Wissenschaftlern zum Teil mit der NOMA-Theorie Stephen Jay Goulds begegnet, nach der Wissenschaft und Religion zwei voneinander getrennte Bereiche seien. So wie Wissenschaft keine Aussagen über Gott machen könne, solle die Religion die Fakten den Wissenschaftlern überlassen.

Dawkins grenzt sich als Positivist jedoch deutlich von NOMA ab. Dabei argumentiert er, eine Welt mit einem Gott unterscheide sich grundlegend von einer Welt ohne Gott. Die Frage nach der Existenz von Göttern sei daher grundsätzlich eine Fragestellung, die mit Methoden der Naturwissenschaft bearbeitet werden könne. Einen Agnostizismus, der die Gottesfrage einer wissenschaftlichen Klärung für prinzipiell unzugänglich erklärt und es sogar ablehnt, die Gotteshypothese einer Wahrscheinlichkeitsbewertung zu unterziehen, kritisiert Dawkins scharf. Er spricht in diesem Zusammenhang von der Armut des Agnostizismus.

Kap. 3: Argumente für die Existenz Gottes

Dawkins fährt fort, indem er die Argumente, die aus seiner Sicht am häufigsten für die Existenz Gottes vorgebracht wurden, aufzählt und kritisiert:

  • die Fünf Wege des Thomas von Aquin mit genereller Ausweitung auf ontologische ‚A-priori‘- oder ‚A-posteriori‘-Argumentationsketten;
  • die Schönheit („Woher kommt die Schönheit in den Werken der Künstler?“);
  • die persönliche Gotteserfahrung („Ich habe Gott erfahren“);
  • die Existenz „Heiliger Schriften“;
  • die Vereinbarkeit von Wissenschaft und Glauben („Es gibt doch gläubige Naturwissenschaftler“);
  • Blaise Pascals Diktum „Nicht an Gott zu glauben könnte verheerend sein“;
  • die Berechnung der Wahrscheinlichkeit, dass Gott existiert von Stephen D. Unwin.

Kap. 4: Warum es mit ziemlicher Sicherheit keinen Gott gibt

Dawkins präsentiert Argumente, die eine Existenz Gottes unwahrscheinlich oder unnötig erscheinen lassen. Dawkins identifiziert das Hauptproblem der Vorstellung eines Schöpfers und allmächtigen Herrschers unserer Welt darin, dass solch eine Vorstellung nichts tatsächlich erkläre, sondern im Gegenteil lediglich einen unendlichen Rückgriff darstelle, indem sie etwas sehr Komplexes (unsere Welt und das Leben auf ihr) mit etwas noch Komplexerem (Gott) erklärt, dessen Ursprung wiederum unklar bleibt. Er erläutert dies mit den Argumenten

  • des Verständnisses der natürlichen Auslese (Evolutionstheorie);
  • gegen das Konzept der nichtreduzierbaren Komplexität des Biochemikers Michael J. Behe;
  • der Verehrung von (Verständnis-)Lücken (d. h. Alles, was wir nicht verstehen, wird Gott zugeschrieben);
  • des Anthropischen Prinzips (d. h. Wir leben auf unserer Erde, weil sie für uns gemacht ist [Mensch ? Erde] gegenübergestellt mit Nur auf einer solchen Erde haben wir uns überhaupt entwickeln können [Erde -> Mensch]).

Dawkins kommt zum Schluss, dass es unmöglich sei, die behauptete Existenz eines „Höheren Wesens“ zu beweisen oder zu widerlegen, da Nichtexistenz nicht bewiesen werden könne. Hier führt er das Gedankenexperiment von Bertrand Russell an, eine Teekanne, die möglicherweise im All kreise, aber prinzipiell auch mit den besten Teleskopen nicht zu entdecken sei. Mit Gott sei es wie mit ihr: zwar vorstellbar, aber weder nachweis- noch widerlegbar. In einem solchen Fall läge die Beweislast aber bei denen, die die Existenz der Teekanne - oder die eines Gottes - behaupten würden.

Mit Rücksicht auf die logische Schwierigkeit eines prinzipiellen Beweises der Nicht-Existenz irgendeines Wesens vertritt Dawkins daher die vorsichtige These, dass Gott mit ziemlicher Sicherheit nicht existiert. Dawkins attackiert dabei die Gotteshypothese mit genau jenem Typ von Argument, das von theologischer Seite lange Zeit gegen die Vorstellung unerschaffener Lebensformen ins Feld geführt wurde: Die Existenz solcher Lebensformen müsse erklärt werden, ihre bloß zufällige Existenz sei unplausibel. Für den Bereich der Biologie wurde das Argument entkräftet und die Entstehung von Lebewesen mit komplexen, hochfunktionellen Strukturen als natürliches Phänomen im Rahmen der Evolutionstheorie verstanden. Bei der Frage nach der Existenz Gottes aber greift dieser Typ von Unwahrscheinlichkeitsargument, so Dawkins. Die Existenz eines Gottes sei mindestens so unwahrscheinlich wie die Existenz einer unerschaffenen, rein zufällig entstandenen Boeing 747.

Kap. 5: Die Wurzeln der Religion

Dawkins vermutet, dass ‚Glauben‘ durch die Evolution begünstigt worden sei, da der Glaube an ein höheres Wesen in sozialen Systemen weit verbreitet sei. Möglichkeiten einer Erklärung, die er diskutiert, sind

  • der Placebo-Effekt: Eine Person, die glaubt, unter einem väterlichen, allmächtigen Beschützer zu leben, sollte sich zuversichtlicher im Leben fühlen.
  • Gruppenselektion: Eine Gruppe, die durch eine Überzeugung oder einen Glauben (welcher Art auch immer und verstärkt durch Aufnahmerituale) eisern zusammenhält, sollte einen Vorteil haben gegenüber ‚überzeugungslosen‘ Gruppen.
  • Beiprodukt-Effekt: Kinder, die gelernt haben ‚blind zu glauben‘ (‚blind zu vertrauen‘), was ihnen erfahrene Ältere als Warnungen aussprechen, dürften eine größere Chance haben, in einer gefährlichen Umgebung zu überleben. Dabei kann eine Verstärkung entstehen, wenn diese Warnungen (Ver- und Gebote) einer noch höheren Macht als jener der Älteren zugeschrieben werden.
  • Psychologische Gegebenheiten (Funktionsweise des Gehirns): Intuitiver Dualismus (d. h. Ich in meinem Körper, statt Monismus: Ich, der Körper) führt den Menschen zu der Frage: Was ist und woher kommt dieses „Ich“, diese Seele, die meinen Körper bewohnt? Und da alles einen Sinn haben muss (Wasser kommt aus einer Quelle, damit ich es trinken kann), muss auch die Seele einen Sinn haben, der (aus Erklärungsmangel) mit einem höheren Sinn (Gott) in Verbindung gebracht wird.

Wiederkehrende Aspekte dieser Erklärungen können dadurch erklärt werden, dass es sich bei religiösen Vorstellungen um Meme handeln könnte, die eigenständige Evolutionsprozesse durchlaufen und den Menschen nur als „Wirt“ verwenden. Beispiele für diese Meme wären: (a) Lebst du so (und nicht anders), wirst du nach dem Tod belohnt und weiterleben. (b) Je mehr du glaubst und je weniger du zweifelst, desto besser ist es für dich (desto glücklicher wirst du sein). (c) Im Gegensatz zu dir werden Ungläubige sicherlich bestraft oder sollten von dir bestraft werden usw.

Am Ende des Kapitels geht Dawkins auf das Phänomen der Cargo-Kulte ein, bei denen Entstehung, Verbreitung und Perpetuierung von – für Dawkins absolut irrationalen – Memen beobachtet werden können.

Um aber zu den Wurzeln von Religionen vorzudringen, muss man wohl nicht erst zu einem Zeitpunkt, an dem sich der Glaube an ‚höhere Wesen‘ in sozialen Systemen unserer Vorfahren schon etabliert hatte ansetzen, sondern früher.

Früher heißt, zu einer Zeit, als diese Wesen aufgrund der Evolution über immer differenzierter entwickelte Gehirne verfügten und sich ihrer Existenz bewusst geworden waren. Trotz allem lebten sie aber nicht viel anders als andere Tierarten auch, d. h. ständig in Gefahr, gejagt oder getötet zu werden, und selbst ständig auf der Suche nach Nahrung. Sie erlebten dabei, dass es in „guten Zeiten“ nicht an Beutetieren mangelte, in „schlechten Zeiten“ jedoch an Nahrung mangeln konnte. Sie konnten die Ursachen dafür noch nicht erkennen (z. B. klimatische Einflüsse). Sie konnten die Situation nicht beeinflussen, waren ohne Macht und empfanden ihre Ohnmacht.

In der Tierwelt aber sahen sie eine starke Macht, die völlig willkürlich zu handeln schien. Sie personifizierten diese Macht. Entsprechend dem Entwicklungsstand der Gehirne und ihres „Weltbildes“ übertrugen sie die Regeln ihres Gruppensozialverhaltens auf die Tierwelt. Gab es hier einen Alpha-Menschen in der Gruppe (Alpha-Tier), so musste es auch in der willkürlich agierenden Tierwelt ein mächtiges Alpha-Tier geben – nach heutigem Sprachgebrauch einen König der Tiere oder Jagdgott.

Ein Alphatier schützt die Gruppe vor Angreifern, beherrscht sie aber auch. Erzürnte Alphatiere können von den Gruppenmitgliedern durch Demutsgesten beruhigt werden (z. B. bei Primaten durch Absuchen des Fells nach Ungeziefer). So musste auch der König der Tiere, der Jagdgott, durch rituelle Handlungen wie Darbringung von Opfern oder rituelle Tänze gnädig gestimmt werden können.

Auf diese Weise haben sich unsere Vorfahren, je nach Lebensweise, Jagd-, Erd-, Sonnen- und Wassergötter nach menschlichem Vorbild erdacht und erschaffen und damit die Wurzeln von Religionen gelegt.

Kap. 6: Die Wurzeln der Moral. Warum sind wir gut?

Dawkins behauptet hier, dass Menschen ihre Moral nicht aus religiösen Schriften ableiten, sondern die Entstehung von Moral ein universelles gesellschaftliches Phänomen sei. In Testantworten, in denen schwierige moralisch vertretbare Entscheidungen erfragt werden, ergebe sich keine Korrelation zwischen moralischer Entscheidung und Religiosität: Gläubige und Atheisten/Agnostiker zeigten dieselben Entscheidungsprofile. In einem Beispiel aus der Bevölkerungsstatistik beschreibt Dawkins die quantitativ belegten Beobachtungen von Sam Harris, dass in den USA in traditionell republikanischen Staaten, in denen konservative christliche Gruppierungen einen starken Einfluss ausüben, Mordraten, Gewalt- und Eigentumsdelikte in Städten deutlich höher liegen als in vergleichbaren Städten in „liberalen“ demokratischen Staaten. Religion sei also keine Garantie für moralisches Verhalten und religiöse Menschen seien nicht automatisch „gut“. „Gut“ und „böse“ lassen sich wohl letztlich auf Erfahrungen, die in der Entstehungsphase menschlicher oder sogar vormenschlicher Gruppen mit einem Sozialverhalten gemacht wurden, auf „nützlich“ oder „schädlich“ (für die Gruppe) zurückführen. Man stelle sich vor, dass Jäger der Gruppe (oder Familie) A auf einen in ihr Revier eingedrungenen Jäger einer benachbarten Gruppe B treffen. Die Gruppe A wird den Eindringling B zumindest vertreiben oder ihn sogar töten, denn er ist ein Nahrungskonkurrent. Aus der Sicht der Nahrungsbeschaffung für die Gruppe A ist das eine nützliche, also „gute“ Tat. Dieselbe Tat, derselbe Vorgang, ist aus Sicht der Gruppe B das genaue Gegenteil. Der getötete Jäger fehlt seiner Gruppe bei der Nahrungsbeschaffung, was unter Umständen Hunger und Existenznotstand bedeuten kann. Folglich ist das Töten des Jägers B ein schädliches Ereignis durch eine „böse“ Tat.

Daraus ergibt sich, dass es bei der Beurteilung eines Vorgangs oder Verhaltens immer auf den Standpunkt der/des Betroffenen ankommt. Und das wiederum bedeutet, dass „Gut“ und „Böse“ und davon abgeleitet Moral, Ethik usw. keine absoluten, immer geltenden oder gar „göttlichen“ Werte sein können. Die Beurteilung nach Gut und Böse ist relativ und dennoch verfügen alle Menschen mehr oder weniger über ein Gefühl für Gut und Böse. Die Evolution bewirkte es. Es steckt in den Genen, es bewirkte in grauer Vorzeit das Überleben der Art. Es kommt dann zur vollen Entfaltung, wenn Gruppeninteressen dahinterstehen, wenn alle aufeinander angewiesen sind, um als Gruppe zu überleben. Auch in unserer modernen Welt versuchen einzelne Menschen oder Interessengruppen Reviere zu sichern. Ein Familienvater, der sich „hoch gearbeitet“ hat, indem er mit allen Mitteln Konkurrenten ausschaltete, hat für sich und seine Familie einen hohen Lebensstandard gesichert, eben ein großes Revier – also ein um das Wohl der Gruppe A besorgter „Jäger“, der Gutes tut.

Es ist nicht schwer zu erkennen, dass ausgebootete Konkurrenten und deren Gruppen B, C usw. in dem „Jäger A“ einen rücksichtslosen oder schleimigen Emporkömmling sehen könnten, einen „Bösen“, dem das Beeinträchtigen oder Zerstören anderer Existenzen weitgehend gleichgültig ist. Das alles kann auch auf Konkurrenzkämpfe zwischen Unternehmen zutreffen, die mit legalen oder illegalen Mitteln um Marktanteile kämpfen.

Kap. 7: Das „gute“ Buch und der wandelbare ethische Zeitgeist

In diesem Kapitel konstatiert Dawkins, die Bibel sei als Grundlage des heutigen menschlichen Handelns und dessen Moral völlig ungeeignet und werde in Wirklichkeit auch von Christen nicht als solche genutzt. Moderne Christen würden nur Ausschnitte aus der Bibel als moralische Grundlage nennen, etwa die Zehn Gebote oder die Bergpredigt, nicht aber z. B. die im Alten Testament ausführlich beschriebenen Bruder- und Völkermorde oder polygames und inzestuöses Verhalten. Wie aber, so fragt Dawkins, entscheidet ein Christ, welche Passagen der Bibel beherzigenswert sind und welche nicht? Sicher nicht anhand der Bibel selbst, sondern nach eigenem Gutdünken; die Bibel sei dann eine nachgeschobene Begründung für bereits zuvor gefällte moralische Urteile.

Für den Wandel von Moral über die Zeiten benutzt er den Begriff Zeitgeist und zeigt am Beispiel der Zehn Gebote, wie dies heute verstanden werden könnte.

Kap. 8: Was ist denn so schlimm an der Religion? Warum diese Feindseligkeit?

Hier betont Dawkins, dass schon ein „gemäßigter“ Glaube dem Fanatismus zugutekomme. Er führt aus, dass die Anschläge am 11. September 2001 auf das World Trade Center in dieser Form nur möglich gewesen seien (ebenso wie religiös motivierte Anschläge überall sonst auf der Welt), weil die Attentäter wirklich geglaubt hätten, nach ihrem Tod als Märtyrer in ein Paradies zu kommen. Dieser Glaube habe sich aber nur deshalb festigen können, weil die Gesellschaft, in der die Täter aufgewachsen sind, den scheinbar harmlosen Glauben an Gott und an ein Paradies für selbstverständlich hält. Als Beispiel führt er die Haltung einiger Religionen gegenüber Homosexuellen und deren Verfolgung an oder die Tatsache, dass der Respekt vor dem Leben (Ungeborenes, Soldat, Ehebrecher, Andersgläubiger, ethnische Gruppen) sehr variabel den entsprechenden Glaubensrichtungen angepasst wurde und noch wird.

Kap. 9: Kindheit, Kindesmisshandlung, und wie man der Religion entkommt

Ein besonderes Anliegen ist Dawkins in seinem Buch die Kritik an kindlicher Indoktrination durch religiöse Verbindungen und Kirchen. So kritisiert er unter anderem die staatliche Förderung religiöser Schulen, speziell in Großbritannien, da damit dem Fundamentalismus Vorschub geleistet werde. Dawkins zufolge kann es im Prinzip ebenso wenig katholische oder muslimische Kinder geben wie marxistische oder sozialdemokratische, da Kinder zu unreif seien, sich hier tatsächlich eine Meinung bilden zu können. Er fordert, Kinder müssten ohne Beeinflussung in die eine oder andere Richtung aufwachsen können, und bezeichnet die Praxis einer religiösen Erziehung von Kindern als Kindesmisshandlung. Als Beispiele führt er das Leben des Edgardo Mortara an, eines Kindes aus einer jüdischen Familie, das durch die Taufe – ausgeführt durch sein Kindermädchen – auf päpstliche Anordnung von seinen Eltern entfernt und „errettet“ wurde, oder die mentalen Qualen eines Kindes, wenn es zu erkennen glaubt, dass ein verstorbener andersgläubiger Freund nun für die Ewigkeit Höllenqualen leiden muss.

Kap. 10: Eine notwendige Lücke?

Im Schlusskapitel thematisiert Dawkins die oft behauptete Nützlichkeit des Glaubens für ein „gutes Leben“. Er kommt zu dem Schluss, dass es nicht notwendig sei, an Gott zu glauben, um glücklich oder getröstet zu sein. So wie sich ein Kind aus der Phase der Begleitung durch einen „imaginären Freund“ löse und eine eigenständige und verantwortungsvolle erwachsene Person werde, sollte sich der denkende und wissende Mensch von einer ihn „ständig beobachtenden höheren Macht“ freimachen können.

(Auszüge aus Wikipedia)

Quelle: www.wikipedia.org