Uwe-Christian Arnold

Uwe-Christian Arnold wurde 1944 in Berlin geboren, gestorben 2019. Nach dem Abitur absolvierte er ein Medizinstudium in Berlin und erhielt 1973 seine Approbation. Anschließend machte er seinen Facharzt für Urologie und war von 1980 bis 2000 in eigener Praxis tätig. Zudem bildete er sich als Sportarzt, Tauchmediziner und Betriebsmediziner weiter und betreute in dieser Funktion auch Unternehmen. Mit dem Thema "humane Sterbehilfe" setzte er sich erstmalig Mitte der 90er Jahre auseinander. Getragen von dem Gedanken, dass der Patient im Mittelpunkt der Behandlung stehen sollte und nicht die Krankheit, engagiert sich Uwe-Christian Arnold in den letzten 15 Jahren für das Recht auf den ärztlich begleiteten Suizid und hilft todkranken Menschen beim Sterben.

Kein anderer deutscher Mediziner hat sich so offen zu seiner Tätigkeit als Sterbehelfer bekannt, was zahlreiche Medienbeiträge zur Folge hatte. So brachte die ARD im November 2012 eine aufsehenerregende Dokumentation ("Sie bringen den Tod – Sterbehelfer in Deutschland") über sein Leben und seine Arbeit. In der anschließenden Sendung  "hart, aber fair" gelang es ihm, die Aufgabe der ärztlichen Sterbebegleitung so überzeugend darzustellen, dass er seither zahlreiche Anfragen erhält.

Für Debatten sorgte insbesondere das 2007 eingeleitete Gerichtsverfahren zwischen Christian Arnold und der Berliner Ärztekammer, die es ihm verboten hatte, einer Patientin todbringende Substanzen für deren beabsichtigten Suizid zu überlassen. Im April 2012 gewann Arnold den Rechtsstreit. Das Berliner Verwaltungsgericht stellte fest, dass ein generelles Verbot der ärztlichen Suizidbegleitung gegen die Grundrechte der Gewissensfreiheit und der Freiheit der Berufsausübung verstoßen würde.

Vertreter konservativer Parteien, der Ärztekammer wie auch der Kirchen reagierten empört auf das Berliner Urteil. In der Bevölkerung jedoch traf Arnolds Position auf große Zustimmung. So stimmten bei einer Online-Befragung, die der "Berliner Kurier" 2011 anlässlich der Berichterstattung über den vermeintlichen "Dr. Selbstmord" durchführte, 92 Prozent (!) der Leser für eine Legalisierung der Sterbehilfe in Deutschland.

Neben seinem unermüdlichen Einsatz für das Recht auf Letzte Hilfe engagierte sich Uwe-Christian Arnold auch für den Humanistischen Pressedienst, dem wichtigsten Nachrichtenportal der säkularen Szene. Dass der Deutsche Bundestag entgegen dem klaren Votum der Bevölkerung Ende 2015 das "Gesetz zur Strafbarkeit der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung" verabschiedete, das jede Form der professionellen Freitodbegleitung verbietet und schwerstleidende Menschen katastrophal im Stich lässt, hat ihn schwer getroffen. Mit großer Ungeduld wartete Christian deshalb auf die Eröffnung des Verfahrens zu den Verfassungsbeschwerden gegen das "Sterbehilfeverhinderungsgesetz" §217 StGB. Zur mündlichen Verhandlung am 16./17. April 2019 sollte er eine Stellungnahme vor dem Bundesverfassungsgericht vortragen. Doch die Krebserkrankung, unter der er schon lange litt, ließ dies nicht mehr zu. Am 12. April schied Uwe-Christian Arnold selbstbestimmt aus dem Leben. Noch am Abend vor seinem Tod versendete er eine Stellungnahme für das Bundesverfassungsgericht, sein politisches Vermächtnis. Lesen Sie hierzu auch den Nachruf auf Uwe-Christian Arnold, verfasst von seinem Freund und Co-Autoren Michael Schmidt-Salomon.

Quelle: https://www.giordano-bruno-stiftung.de/beirat/arnold-uwe-christian

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